18.11.2009

Zum Verzweifeln

 

Der Bund Freiheit der Wissenschaft hat in seinen Publikationen früh auf die Gefahren des Bologna-Prozesses hingewiesen.

Kernpunkte der Kritik waren im wesentlichen:

Die Verschulung des Studiums
Studienabschlüsse auf niedrigem Niveau
Das Ende der akademischen Freiheit
Das Ende der Universität im traditionellen Sinne

Die Kritik war aber nicht total, sondern mahnte einen differenzierten Modernisierungsprozess der Universität an.

 

Die Argumente wurden tunlichst überhört.

 

OStD a.D. Dr. Winfried Holzapfel, einer der Vorsitzenden des Bundes Freiheit der Wissenschaft


Der rastlosen Tätigkeit der ehemaligen Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ist zu verdanken, dass der Bologna-Prozess in Deutschland die nunmehr unübersehbare unselige Entwicklung genommen hat. Mit seiner starren Haltung und der wiederholten Äußerung „Humboldt ist tot“ hat auch der deutsche Minister, der die Sorbonne – Erklärung unterschrieben hat, Jürgen Rüttgers, seinen Anteil an dem Elend.
Die Hochschulrektorenkonferenz (der Zusammenschluss von Universitäts- und Fachhochschulrektoren) hat mit aller Gewalt die Reform gefördert und das Dilemma, in dem die Hochschulen jetzt angekommen sind, sehr verantwortlich mitverursacht.

Es ist sehr aufschlussreich, jetzt die Stellungnahmen mancher Anführer(innen) von einst zu lesen.

 

Totalitäre Detailplanung

Die Reform krankt vor allem daran, dass die Studentinnen und Studenten zu bloßen Objekten ihrer Ausbildung gemacht werden.
Man hat unzählige Stellschrauben angebracht, an denen zu drehen ist, damit die Absolventen in ihren späteren Berufen gut funktionieren, mit dem Effekt einer totalitären Detailplanung, in der der einzelne gefangen ist. Aus dem Studium ist eine bürokratische Zwangsveranstaltung geworden, die in unerträglicher Weise die freie Betätigung einschränkt und keinen Raum für Selbstbestimmung und Selbstbildung lässt. Aber wann, wenn nicht im Studium, soll denn dem Akademiker die Selbstfindung ermöglicht werden?

 

Verlust der akademischen Freiheit

Der Bund Freiheit der Wissenschaft hat mit guten Argumenten immer für die (Wieder-) Einführung von Studiengebühren plädiert. Zugleich hat er gemahnt, damit einhergehend ein Stipendiensystem aufzubauen und soziale Härten zu vermeiden.
Das Bundesverfassungsgericht hat als letzte Instanz die Erhebung von Studiengebühren zugelassen. Die Länder können Studiengebühren erheben und zulassen, dass Hochschulen Studiengebühren erheben. Ob und in welcher Weise sie das tun, ist ihnen überlassen. Man kann da mehr oder weniger intelligent vorgehen.
So weit, so gut.

Studiengebühren sind aber nur dann berechtigt, wenn das Studium auch einen Wert hat.
Für den Verlust der akademischen Freiheit sollten Studentinnen und Studenten nicht bezahlen müssen.

Es ist daher nötig, die Ausbildung so zu ändern, dass die Studentinnen und Studenten ihr Studium freier gestalten können. Das spricht nicht gegen Prüfungen und die Einforderung von Qualitätsnachweisen. Das spricht nicht gegen vielfältige Hilfsangebote. Aber es stärkt die Eigenverantwortung und stärkt und fördert die Entwicklung der Persönlichkeit.
Darauf darf eine humane Gesellschaft nicht verzichten.

 

Appell an alle Bildungsplaner

Denkt nicht daran, wie andere gut gemacht werden können, sondern wie sie sich gut entwickeln können!

Winfried Holzapfel