20.03.2008

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Klaus Thomalla, M.A.

 

Darf man sich aus religiösen Gründen wissenschaftlichen Erkenntnissen verweigern? – Erläutert am Beispiel der Evolutionslehre im Pflichtschulunterricht.

Eine philosophisch-theologische Perspektive*

 

Die Frage suggeriert einen Widerspruch zwischen religiösen Gründen und wissenschaftlichen bzw. naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, zwischen Glauben und Naturwissenschaft. Es wird vorsichtig nach der Möglichkeit der Verweigerung gefragt, vorausgesetzt, man versteht die Frage nicht allein im rhetorischen Sinne. Ist es also zutreffend, hier einen Widerspruch, einen Hiatus, eine Disharmonie von Religion und Naturwissenschaft anzunehmen?

Dies alles wird virulent an einem aktuellen Problem, wenn man sich den Untertitel ansieht, der sich etwa so reformulieren ließe: Darf man sich dem Pflichtschulunterricht entziehen mit dem  Hinweis darauf, dass hier die Evolutionslehre unterrichtet wird, bei der es sich jedenfalls um eine wissenschaftliche Erkenntnis handelt? – Die Frage soll im Folgenden in drei Abschnitten erörtert werden: 1. Das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion; 2. Der Streit um Evolutionslehre, Kreationismus und Intelligent Design; sowie 3. Konsequenzen für den Pflichtschulunterricht.

 

I. Das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion

 

1. Die Perspektive der Naturwissenschaft

Worum geht es der naturwissenschaftlichen Forschung? Sie beabsichtigt, mittels empirischer Methodik eine wissenschaftliche Theorie zu erstellen, die allerdings nichts mit unserer umgangssprachlichen Bedeutung von „theoretisch“ im Sinne von „vielleicht verhält es sich so“ zu tun hat, sondern eine Theorie wie die Quantentheorie, die Relativitätstheorie oder die Evolutionstheorie erfordert fundiertes Wissen, vor allem aber fasst sie Tausende von Fakten in einem Konzept zusammen, das bis dahin noch nicht falsifiziert worden ist.[1] Mithin handelt es sich um eine empirische Methodik, die in einer objektivierenden „Es-Sprache“[2] aus naturwissenschaftlicher Perspektive Phänomene erklären will.

Diese Perspektive ist erst ermöglicht worden, nachdem in der Moderne eine Dezentrierung des Weltbildes eingesetzt hat: Wissenschaft, Moral und Kunst sind nicht mehr länger der Religion als integrierender Größe unterworfen, sondern können sich autonom entwickeln.[3] Diese Wertsphären entfalten ganz unterschiedliche Geltungsansprüche, die jeweils nur im eigenen Bereich Relevanz beanspruchen können. So erhebt die Wissenschaft einen Wahrheitsanspruch im Blick auf Existenzvoraussetzungen, die Moral einen Richtigkeitsanspruch in Bezug auf Werte und Normen und die Kunst einen Wahrhaftigkeitsanspruch hinsichtlich des ästhetischen Ausdrucks des eigenen Inneren.[4] Demgegenüber ist der Wahrheitsanspruch der Religion eigener Art, insofern er sich auf Transzendenzerfahrungen bezieht, aber als solcher nicht mit dem Wahrheitsanspruch in Bezug auf die Dinge in der Welt zu verwechseln ist: Während ich die Aussage „ich glaube, dass es draußen regnet“ leicht nachprüfen kann, indem ich aus dem Fenster schaue, ist dies bei der Aussage „ich glaube, dass Gott oder das Absolute existiert“ nicht möglich; damit wird die Ebene der Religion betreten, die nur unangemessen verstanden wäre, wenn man ihre Glaubensaussagen auf eine bloße Faktizität reduzieren wollte.[5]

Die Entwicklung der Moderne führt mithin zu einer Differenzierung von drei wesentlichen Bereichen: Wissenschaft, Moral und Kunst. Doch bei dieser Differenzierung, die uns all die heute selbstverständlichen Freiheitssphären eröffnet hat, bleibt es nicht. Zwar haben wir in der Moderne die drei Bereiche differenziert, doch ihre Integration erfolgte nicht. Warum kam es nicht dazu? Weil sich die Bereiche begannen zu dissoziieren,[6] und zwar so, dass der Bereich der Naturwissenschaft anfing, Moral und Kunst zu verdrängen.[7] Die Wirklichkeit wurde über eine Es-Sprache allein als Flachland-Struktur wahrgenommen; was dabei übersehen wurde, waren die anderen Bereiche, die genauso zur Wirklichkeit gehören und die ihre Tiefe ausmachen. Ihnen ist gerade nicht mittels empirischer Verfahren beizukommen, sondern mit der Frage: „Was bedeutet es?“, also mit Hermeneutik und Interpretation.[8] Sobald aber die Wissenschaft meint, mit einer monologischen „Es-Sprache“ bereits die ganze Wirklichkeit zu erfassen, löst sie diese in den eigenen objektivierenden Kategorien auf. Dabei jedoch wird der „Ich-Bereich“ der Kunst und der „Wir-Bereich“ der Moral kolonialisiert.

Um dies zu verdeutlichen: Das Gefühl des Verliebtseins kann man empirisch-neurobiologisch umschreiben als eine Absenkung der Serotoninkonzentration beziehungsweise als Überflutung des Gehirns mit Dopamin[9] oder systemtheoretisch als „symbolisch-generalisiertes Kommunikationsmedium“[10]. Doch ist man damit nur an der Oberfläche geblieben und hat noch nichts über die anderen Bereiche gesagt: Was bedeutet das Gefühl des Verliebtseins subjektiv, intersubjektiv, kulturell? Oder: Man kann ein Bild wie  Caspar David Friedrichs Bild „Mönch am Meer“ folgendermaßen beschreiben: 1,10 mal 1,71 Meter groß, dazu noch Angaben zu Gewicht und Alter. Aber: Hat man damit das Wesentliche des Bildes getroffen? Was ist seine Bedeutung? Sie muss erst durch Interpretation gewonnen werden.

Was an diesen Beispielen deutlich werden sollte: Wenngleich uns die Moderne die Differenzierung der drei Wertsphären bringt, kolonialisiert sie auf der anderen Seite den Ich- und den Wir-Bereich, das heißt: Subjektivität und Intersubjektivität, durch den Es-Bereich der Wissenschaft. Daraus resultiert letztlich ein buchstäblich sinnloses Flachlanddenken, das den Einzelnen an den Oberflächen und Strukturen der Dinge ohne Bedeutung lässt. Denn die Frage nach der Bedeutung ist für die empirische Dimension nahezu wertlos, weil wir uns damit in symbolische Tiefen begeben, die der äußeren Perspektive nicht zugänglich sind, sondern interpretierendes Denken voraussetzen.[11]

 

2. Die Perspektive der Religion

Und die Religion? Sie kann als eine kulturelle Sinnressource verstanden werden,[12] die uns einen Bereich jenseits der eben genannten Oberflächenstrukturen eröffnet. Bei der Religion handelt es sich gewissermaßen um einen Speicher von religiös-existentiellem Erfahrungswissen, das über Jahrtausende gesammelt worden ist. Sie erschließt uns neue Horizonte, durch die wir einen anderen Blick auf die Wirklichkeit erhalten.

So betrachtet, wird deutlich, dass naturwissenschaftliche Aussagen religiöse Überzeugungen nicht in Frage stellen können, insofern beide auf unterschiedlichen Ebenen Relevanz beanspruchen.[13] Unter der Religion ist eine Sinnquelle zu verstehen, die den Menschen die Wirklichkeit überschreiten und einen übergreifenden Zusammenhang erblicken lässt. Das eigene Leben und dasjenige anderer kann so unter einer anderen Perspektive Sinn gewinnen –trotz allen Zweifels und aller Leiderfahrungen.

Religion hat sich – so treffend der Dresdener Philosoph Thomas Rentsch – zur Aufgabe gemacht, über „sinnkonstitutive Unverfügbarkeit“ aufzuklären, die uns angesichts menschlicher Kontingenz begegnet.[14] Sie gibt uns eine Erfahrung von Tiefe, die nicht beweisbar, darum aber nicht weniger bedeutsam ist. Religionen weisen uns auf eine Transzendenz hin, die das menschliche Leben und seine Zusammenhänge überschreitet und einen Sinn eröffnet, der noch einmal einen Zusammenhang für alle Fragwürdigkeiten des Lebens erhoffen lässt.[15] Dies freilich setzt voraus, dass man sich von einem prämodernen Verständnis der Religion verabschiedet hat zugunsten einer religiösen Perspektive, welche die Herausforderungen von Moderne und Postmoderne angenommen und verarbeitet hat, ohne sich diesen zu unterwerfen. – Wenden wir diese grundsätzlichen Überlegungen auf die Frage nach der Evolutionslehre an:

 

II. Der Streit um Evolutionslehre, Kreationismus und Intelligent Design

In den Tagebuchaufzeichnungen des ehemaligen Tübinger Alttestamentlers Fridolin Stier findet sich eine für unser Thema bemerkenswerte Stelle, die überschrieben ist: „Ex creaturis cognoscere creatorem.“ Weiter heißt es: „Vorausgesetzt, dass Gott ist und dass er das All und alles – semper creans – erschafft, stellt sich die Frage konkret: Was ist von Gott zu erkennen, wenn anzunehmen ist, dass er z. B. Tiere geschaffen hat, wie sie sind – Verhaltensforschung etwa als theognostisches Kapitel? Noch konkreter gefragt: Gott und der Riesenkrake, der Haifisch, der Delphin, die Vampir-Fledermaus, die Bakterien, die Viren? Wenn also Gott sie so gewollt, so ‚programmiert‘ hat, wie sie sind und wie sie sich verhalten – sollte dann in all dem nichts von Gott zu erkennen sein?“[16]

Worauf zielt diese Frage Fridolin Stiers? Sie spiegelt die Sehnsucht nach Sinn wider, der allem zugrundeliegt. Die Antwort kann nicht in einer „spekulative(n) Folgerung“ aus dem Bild oder Begriff liegen, den man sich von Gott gemacht hat, sondern in einem Verstehen „des konkreten, einzelnen Phänomens“. Worum also geht es? Stiers Antwort: „um die nicht intellektuell und nicht wissenschaftlich zu erfassende und nur ‚fühlend‘ erfahrbare Anwesenheit eines Anderen, Fremden, Unheimlichen (…).“[17] – Sind wir reif, diesem Anderen seinen Geheimnischarakter zu lassen oder unterwerfen wir es unseren Kategorien? Wir werden sehen.

Immerhin stimmten nach einer Gallup-Umfrage im Februar 2001 etwa 45 Prozent der erwachsenen Amerikaner der Aussage zu: „Gott hat die Menschen weitgehend in ihrer heutigen Gestalt innerhalb der vergangenen etwa 10.000 Jahre erschaffen.“[18] Doch wie aus einer Umfrage des Schweizerischen Meinungsforschungsinstituts IHA-Gfk vom November 2002 hervorgeht, sind auch im gesamten deutschsprachigen Raum rund 20 Millionen Menschen der Auffassung, dass Darwins Evolutionstheorie alles andere als wahr sei.[19] Und eine im November 2005 für „Zeit Wissen“ durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass etwa 32 Prozent der Bundesbürger die Tatsache gemeinsamer Vorfahren von Mensch und Affe ablehnen, was als längst erwiesene Selbstverständlichkeit gilt.[20] – Jedenfalls wird um diese Fragen in jüngster Zeit mit Vehemenz gestritten: Auf der einen Seite stehen die Vertreter der Evolutionslehre, auf der anderen Seite Kreationismus und die Rede von Intelligent-Design. Worüber aber besteht Streit?

 

1. Evolutionslehre

Zunächst zur Evolutionslehre: Bei dieser handelt es sich nicht nur um eine von mehreren unbewiesenen Ansichten, sondern sie kann sich auf Tausende, vielleicht Millionen einzelner Forschungsergebnisse stützen und ist in der Wissenschaft so akzeptiert wie eine gesicherte Tatsache. Obgleich dies von den Kreationisten oftmals eingewandt wird, geht es nicht um eine bloße Hypothese, also eine vorläufige Annahme,[21] sondern um eine Theorie im Sinne eines bislang nicht widerlegten Lehrgebäudes, das auf empirisch ermittelten Ergebnissen und logischen Erkenntnissen basiert, ermöglicht durch Paläontologie und Evolutionsbiologie.

Die zentrale Aussage der Evolutionstheorie liegt darin, dass die heute lebenden Arten im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Erde aus einfacher organisierten Vorfahren entstanden sind, wobei die Evolution als ständiger und nicht unumkehrbarer Prozess verstanden wird, der nicht zielgerichtet abläuft. Die Evolutionstheorie verwirft damit die Vorstellung, dass die Arten in unveränderlicher Form im Wege eines göttlichen Schöpfungsaktes erschaffen wurden.[22]

 

2. Kreationismus

Dieses Ergebnis lehnt der sogenannte Kreationismus ab, indem er eine wortwörtliche Interpretation der Bibel geltend macht; das bezieht sich in unserem Zusammenhang vor allem auf die Schöpfungserzählungen, die als naturwissenschaftliche Aussage verstanden werden: Die Erde ist demnach nicht, wie die Kosmologie herausgefunden hat, vor etwa fünf Milliarden Jahren entstanden, sondern wurde vor sechs Tausend Jahren von Gott erschaffen.[23] – Was ist hier geschehen? Wie lässt sich ein solches Verständnis erklären?

Erinnern wir uns an das zur Differenzierung der Wertsphären Ausgeführte: Hier wird auf eine religiöse Erzählung eine andere Ebene, diejenige der Wissenschaft, angewandt. Damit aber werden zwei Geltungsansprüche miteinander verwechselt: derjenige der Wissenschaft mit demjenigen der Transzendenz. Folglich handelt es sich um einen Kategorienfehler, eine Ebenenverwechslung, auch metabasis eis allo genos genannt. [24]  

Wir können aber auch anders argumentieren: theologisch. Wenn nämlich die jüdisch-christliche Religion selber die Schöpfungserzählung anders als wortwörtlich versteht, so ist bereits von daher der kreationistischen Auffassung die Grundlage entzogen. Was also sagt die alttestamentliche Wissenschaft?

Zunächst gibt es zwei Schöpfungsberichte, deren erster (Gen 1,2-2,4) – als „Priesterschrift“ bezeichnet aufgrund von Stil und Sprachgebrauch – etwa um 500 v. Chr. geschrieben wurde. Er betont die Transzendenz Gottes, die Würde des Menschen und die Ordnung und Einheit der Schöpfung. Der zweite Schöpfungsbericht (Gen 2,4-25) ist der ältere und wurde schon um 900 v. Chr. von einem Autor verfasst, den man den Jahwisten nennt, weil er den Gottesnamen Jahwe verwendet. Diese Erzählung konzentriert sich auf die Erschaffung des ersten Menschen. Zentrum ist jedoch nicht die Art des Schöpfungsaktes, sondern die Qualität des Menschen, der mit Geist und Leib Ebenbild Gottes ist.[25] – Das ist in Kürze der bleibende Glaubensinhalt in der kontingenten Darstellungsform der mythischen Erzählung. Diese Differenzierung zwischen dem wesentlichen Glaubensinhalt – Transzendenz Gottes, der Mensch als Ebenbild Gottes und die daraus abgeleitete Würde des Menschen – und zeitbedingter Darstellungsform gilt es zu beachten! Was deutlich wird: Die Bibel ist „kein primitives Buch der Naturkunde, sondern Urkunde des Heils (…)“.[26]

Mithin beruht der Kreationismus bereits aus theologischer Sicht auf einem Missverständnis, insofern er nicht zwischen Glaubensinhalt und kontingenter Form der Aussage differenziert. Ja, mehr noch: Er unterwirft sich dem naturwissenschaftlichen Paradigma und versteht die biblische Heilszusage in „naturwissenschaflicher“ Weise: als ob es um einen biologischen Prozess ginge, der hier beschrieben würde. Damit hat man den Sinn des Textes nicht nur nicht erfasst, sondern fundamentalistisch verfremdet, weil man in ein prämodernes Verstehensparadigma abgeglitten ist, indem man sich die Kategorien eines überholten Weltbildes zu eigen gemacht hat.[27]

Die Evolutionstheorie wird einem so gearteten Fundamentalismus gewiss gefährlich, aber deutlich wurde auch, dass sie die oben skizzierte wesentliche Bedeutung des Schöpfungsglaubens nicht in Frage stellen kann. Warum nicht? Antwort: Weil die religiöse Aussage auf eine andersartige Bedeutung zielt: Sie sieht nicht mit dem empirischen Blick, sondern mit dem Blick, der auf Sinn, Zusammenhang und Transzendenz kontingenter Bedingungen gerichtet ist.

 

3. Intelligent Design

Wie aber verhält es sich mit der anderen Ansicht, die sich gegen die Evolutionstheorie richtet: mit der Rede von Intelligent Design? Vermag sie zu begründen, warum man die Evolutionslehre ablehnen sollte? Was genau vertreten die Vertreter dieses Konzepts?

Die Vertreter von Intelligent Design versuchen zu zeigen, dass Strukturen der belebten Natur und der Kosmos ihrer Komplexität wegen nicht entstanden sein können ohne den Eingriff eines Schöpfers, eines intelligenten „Designers“. Dabei nehmen sie eine göttliche Schöpfungsabsicht an, verzichten aber auf das wortwörtliche Verständnis der Schöpfungserzählung, das von den Kreationisten behauptet wird. Freilich hat man zu Recht darauf hingewiesen, dass die Intelligent-Design-Theorie letztlich eine pseudowissenschaftliche Verkleidung des Kreationismus ist, da die Anhänger gemerkt haben, dass die wortwörtliche Auslegung der Bibel sie von vornherein um ihre wissenschaftliche Akzeptanz bringt.[28] Demzufolge hat Gott das Universum nach einem bestimmten Plan geschaffen, wobei – anders als beim Kreationismus – durchaus konzediert wird, dass die Erde Milliarden Jahre alt und das Leben schrittweise entstanden ist.[29] – Was aber ist daran problematisch?

Problematisch ist, dass diese Ansicht mit ihrer Behauptung einen Anspruch wissenschaftlicher Beweisbarkeit verbindet, dass sie ihre Auffassung an die Stelle der Evolutionstheorie zu setzen sucht, ohne dem naturwissenschaftlichen Grundsatz der empirischen, genauer experimentellen Überprüfbarkeit gerecht werden zu können. Es wird also ein zweiter, angeblich gleichrangiger Ansatz entworfen, der die Entstehung des Lebens klärt. Wenn wir uns in Erinnerung rufen, was die Methodik der Naturwissenschaft auszeichnet: fundiertes Wissen, tausende von Fakten und empirische Überprüfbarkeit, so scheidet jeder Anspruch wissenschaftlicher Beweisbarkeit aus. Die Ansicht des Intelligent Design kann demnach keine naturwissenschaftliche Theorie sein, weil ihre Annahme eines göttlichen Schöpfungsplans weder durch historische Fakten überprüfbar, noch falsifizierbar ist, noch überhaupt empirischer Methodik zugänglich ist. Zu Recht hat der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff darauf aufmerksam gemacht, dass diese Auffassung nicht darin irrt, dass sie einen sinnvollen Gesamtverlauf der Evolution vertritt, sondern darin, dass sie „deren planmäßige Ordnung durch eine intelligente Ursache als wissenschaftlich bewiesen ansieht“.[30]

Insoweit kann man durchaus an eine Zeichenhaftigkeit der natürlichen Phänomene erinnern, die „auf eine sich von unten aufbauende teleonome Struktur“ hinweist. So ist beim Darmbakterium E. coli ein Komplexitätsgrad zu erkennen, der aus Zufallsentstehung kaum erklärt werden kann. Doch um diese Zeichen „als Hinweise auf die Wirklichkeit Gottes  und seines schöpferischen Handelns in der Welt“ wahrzunehmen, ist der naturwissenschaftlich-empirische Blick nicht hinreichend, sondern dazu ist „ein eigenes Sehvermögen“ erforderlich: der vertrauende Blick des Glaubens.[31]

Die Intelligent-Design-Lehre macht den Fehler, den Immanuel Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft im Blick auf das Problem der Freiheit aufgezeigt hat: Wenn nämlich die Vernunft es unternimmt, mittels der Erfahrung durch die Synthesis des Bedingten ihre Erkenntnis zu erweitern und auf Freiheit zu zielen, so sucht sie „am falschen Ort nach ihrer Beute“[32]. Ähnlich wie es nach Kant unzulässig ist, vom Bedingten auf die Reihe der Bedingungen, nämlich das Unbedingte, also Freiheit zu schließen,[33] so ist es in naturwissenschaftlicher Sicht fragwürdig, aus der Zielgerichtetheit der Natur, selbst wenn sie angenommen werden könnte, eine planende Instanz abzuleiten. Das kann man vertreten, aber damit betritt man meines Erachtens nicht die naturwissenschaftliche, sondern die existentielle Ebene. Denn dieses Verständnis will nicht die Natur erklären, sondern es will eine Antwort auf das Geworfensein des Menschen in eine Natur geben, „die uns zwar ermöglicht, doch niemals wirklich gemeint hat“[34].

 

4. Design und Teleologie

In ähnlicher Weise wie die Intelligent-Design-Lehre hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn im Juli 2005 davon gesprochen, man könne in der Natur eine „overwhelming evidence for design“[35] erkennen, es sei „für die menschliche Vernunft sehr wohl möglich“, „in den Gesetzen der Natur (…) einen Plan wahrzunehmen“[36].

An den Aussagen von Schönborn freilich fällt auf, dass er trotz aller Ambivalenz den Glauben voraussetzt: Wenn er die Vernünftigkeit der Wirklichkeit auf die Vernünftigkeit des Schöpfers zurückführt, so gesteht er zu, dies sei seine „gläubige Sicht“, die der Vernunft nicht widerspreche, aber letztlich „eine Glaubenssache“ sei.[37] Folglich handelt es sich bei Schönborns Aussage um eine legitime theologische Folgerung, doch die Naturwissenschaften verhalten sich „vollkommen neutral gegenüber den philosophischen oder theologischen Folgerungen, die man aus ihren Erkenntnissen ziehen mag“, so der Direktor der vatikanischen Sternwarte, George Coyne.[38]

Auch Papst Benedikt XVI. scheint die Problematik so zu verstehen wie Schönborn, wenn er auf einer Tagung über Schöpfung und Evolution in Castel Gandolfo im Jahr 2006 davon ausgeht, „dass die Welt im einzelnen in einem sehr komplizierten Evolutionsprozess entstanden ist, dass sie aber im tiefsten doch aus dem Logos kommt“[39]. Der Papst scheut sich nicht, diesen Logos als „das ‚Intelligent Design‘ des Kosmos“ zu bezeichnen.[40] Die Frage aber ist, ob dieses göttliche Design allein mit den Mitteln der Vernunft mit Gewissheit zu erkennen ist, wofür Schönborn an einigen Stellen zu plädieren scheint, wenn er von der „überwältigenden Evidenz für einen Plan“ spricht.[41]

Gewiss: Es gebe, so Benedikt XVI., „die Rationalität in der Natur“, doch heißt es weiter, sie gestatte „uns nicht, eine totale Einsicht in den Plan Gottes zu gewinnen“. Die Konsequenz: „Es bleiben also die Kontingenz und das Rätsel des Schrecklichen in der Natur. (…) Unbeschadet der Rationalität, die es gibt, können wir eine Komponente des Schreckens feststellen, die nicht mehr philosophisch auflösbar ist.“[42] – Diese Auffassung kann nicht ohne weiteres mit der Intelligent-Design-Lehre identifiziert werden; denn sie ist differenzierter, insofern sie letztlich um ihren theologischen Blick weiß.

Ebenso stellt der emeritierte Münchener Philosoph Robert Spaemann fest: „Für den Gläubigen ist die Natur, ungeachtet der Mechanismen ihres Zustandekommens, ein Buch mit einer Botschaft, vor allem ästhetischer Art.“ Die Betonung liegt freilich auf dem ersten Teil des Satzes, in dem es heißt: für den Gläubigen. Wenn man also die Entstehung der Natur ohne Rückgriff auf ein Design erklären kann, dann braucht man dagegen nichts einzuwenden.

Eine Ausnahme davon allerdings macht Spaemann, wenn er auf die Entstehung des Lebens und des denkenden Bewusstseins zu sprechen kommt. Hier sei jedenfalls eine Absicht anzunehmen, weil Leben Innerlichkeit, Subjektivität und Selbst-Sein bedeutet, wogegen es die rekonstruierende Wissenschaft „immer nur mit Objektivität, mit ‚Äußerlichkeit‘“ zu tun habe.[43] Damit räumt Spaemann freilich ein, dass auch seine Annahme einer Absicht sich auf einer anderen Ebene befindet als die wissenschaftliche Kausalerklärung, die nur die Oberflächenstruktur in den Blick bekommt. Konsequenterweise dürfte dann diese Begründung einer Absicht nicht in Konkurrenz zur naturwissenschaftlichen Evolutionslehre stehen.

Es scheint sich hierbei um eine Reformulierung des teleologischen Gottesbeweises zu handeln, wonach die Zielstrebigkeit und Zweckhaftigkeit der Erde einen persönlichen Willen erkennen lässt, von dem der Schöpfungsakt ausgeht. Schon dieser kann mit der Frage konfrontiert werden, ob denn Ordnung, Schönheit und Zweckmäßigkeit tatsächlich bestehen. Und weiter: Kann aus der Zweckmäßigkeit, falls man bereit ist, diese anzunehmen, wirklich auf eine Instanz geschlossen werden, die sie ins Leben gerufen hat? Freilich erkennen die Anhänger des teleologischen Gottesbeweises an, dass Zweckmäßigkeit keine naturwissenschaftliche Kategorie meint, sondern auf den Sinn, das Ganze der Existenz zielt. Der teleologische Gottesbeweis, den man besser als teleologisches Argument, nicht als Beweis, bezeichnen würde, will eine Antwort auf die Frage nach dem „Wozu?“ geben,[44] nicht eine Kausalerklärung liefern.

 

5. Worum es geht: ein Überblick

Betrachten wir den hier skizzierten Streit unter einer Metaperspektive und erinnern uns an die im ersten Abschnitt genannte Differenzierung und Dissoziation der Wertsphären: In der Moderne beginnt nicht nur die Differenzierung mit beachtlichem Freiheitsgewinn, sondern auch die Kolonialisierung der Bereiche von Moral und Kunst durch die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaft.[45] Meine These lautet: Die Frage nach einem Schöpfergott, Design oder einem sinnvollen Gesamtverlauf der Evolution spiegelt die Sehnsucht wider, die Wirklichkeit mit Tiefe zu erfüllen, die sie in der Moderne im Wege der Dissoziation zunehmend verloren hat.

Der Kreationismus versucht dies, indem er in prämoderner Weise den Schöpfungsmythos wortwörtlich nimmt, um dann einen Schöpfergott aufweisen zu können. Die Intelligent-Design-Lehre will eine Absicht in der Natur sehen. Aber nicht nur das: Beide wehren sich gegen die Dissoziation durch die Wissenschaft, indem sie selbst einen Anspruch wissenschaftlicher Aufweisbarkeit vertreten, der gegenüber der reduktionistischen Naturwissenschaft geltend gemacht wird. Doch was erreichen sie damit? – Der Kreationismus diskreditiert die Religion, indem er diese mit unangemessenen Mitteln, wie oben gesehen: mit einem falschen wortwörtlichen Verständnis der Bibel, zu verteidigen sucht. Und die Intelligent-Design-Lehre unterstellt, dass die planmäßige Ordnung durch eine intelligente Ursache als wissenschaftlich bewiesen gilt.

Selbst wenn es ungeklärte Zusammenhänge in der Evolution gibt, selbst wenn komplexe Strukturen durch Zufall nicht hinreichend erhellt werden können – dass an die Stelle des Zufalls eine göttliche Absicht zu setzen ist: Dies ist eine Aussage, die sich nur im Vertrauen auf einen transzendenten Schöpfer machen lässt.[46] Mithin erweist auch die Rede vom Intelligent Design der Religion keinen Dienst, sondern diskreditiert sie ebenfalls.

Freilich: Indem sich diese Ansichten in Konkurrenz zur Evolutionslehre begreifen, unterwerfen sie sich der naturwissenschaftlichen Methodik. Sie unterschätzen damit die eigene Bedeutung der religiösen Aussage und akzeptieren den Primat des naturwissenschaftlichen Geltungsanspruchs, der nicht die Tiefe der Dinge betrifft, sondern die Oberflächenstruktur. In dieser Weise verhindern diese Auffassungen, dass die Religion uns die Wirklichkeit transzendieren lässt und unterliegen einem Kategorienfehler. 

Beide Ansichten machen es der Kritik der Religion leicht, ihren Geltungsanspruch als ganzen zu verwerfen;[47] denn weder das fundamentalistische Bibelverständnis noch der Kategorienfehler sind vertrauenerweckend im Blick auf eine angemessene Sicht der Religion für unsere Zeit.[48]

Doch ist es genauso zweifelhaft, wenn die Naturwissenschaft einen Primat ihrer Es-Sprache behauptet und meint, das Ganze der Wirklichkeit damit zu erfassen, wenngleich sie diese nur auf ihre Oberflächenstruktur reduziert[49]: Als ob sich das gesamte Menschsein darin zeigen würde, dass wir durch Zufall entstanden sind und vom Affen abstammen; worauf der Paläontologe Reinhold Leinfelder hingewiesen hat. Zwar zeigt uns die moderne Biologie, wie eng verwandt Mensch und Schimpanse sind, aber der Mensch kann, anders als das Tier, das biologische Erbe durch kulturelle Evolution kontrollieren.[50]

Diese Kritik am Reduktionismus lässt sich auch bei Schönborns Äußerungen erkennen: Es werde schwierig, „wenn die Naturwissenschaft mit ihrem Instrumentarium meint, alles erklären zu können“. So sieht er es zu Recht als problematisch an, wenn aus der Evolutionslehre eine „Theorie der ‚Gesamtwirklichkeit‘“ gemacht wird; dann werde „aus einer wissenschaftlichen Theorie die ‚Ideologie des Evolutionismus‘“.[51] Damit spricht Schönborn eben die oben erwähnte Kritik an der Kolonialisierung und Dissoziation der Bereiche durch die Wissenschaft an, die meines Erachtens in zutreffender Weise erfolgt. Denn man muss auch dieser Gefahr begegnen, die darin liegt, dass die Evolutionsbiologie ihren genuinen Bereich überschreitet, wenn sie wie Richard Dawkins jede Form von Religion abschaffen möchte.[52] Auch hierbei handelt es sich um einen Kategorienfehler, der die beiden Bereiche und Geltungsansprüche nicht hinreichend auseinanderhält.

Deutlich geworden ist: Während der Evolutionswissenschaftler die Aufgabe hat zu erforschen, wie Leben und Evolution funktionieren, zielt die Religion auf einen höheren Sinn des Lebens. Beiden geht es um ganz verschiedene Ebenen, was schon an den unterschiedlichen Sprachen erkennbar ist.[53] Überschreitungen beiderseits sind unzulässig: Der Evolutionsbiologe kolonialisiert die Religion, wenn er aus der Evolution einen dogmatischen Atheismus ableitet, ohne zu sehen, dass es sich hier ebenfalls nur um eine Weltanschauung handelt.[54] Und der Kreationist verwechselt ebenfalls die Ebenen miteinander, allerdings im umgekehrten Sinne, indem er biologische Zusammenhänge in den Schöpfungsmythos hineinlesen will. Ebenso aber der Anhänger von Intelligent Design; denn auch er leitet aus einer nicht wissenschaftlich zugänglichen Erkenntnis einen wissenschaftlichen Anspruch ab.

 

6. Fazit: Was bleibt vom Schöpfungsglauben?

Die Bibel versteht sich nach alledem selber als Gotteswort im Menschenwort, insofern sie von Menschen gesammelt, geschrieben und bearbeitet wurde. Als solches ist sie nicht ohne Widersprüche, vor allem wenn man ihre Aussagen an naturwissenschaftlichen Kategorien misst. Denn sie ist Glaubenszeugnis von Menschen im Blick auf deren ursprüngliche Transzendenzerfahrungen. Da die Schriften selbst einen historischen Charakter haben, wird historische Bibelkritik erforderlich, sogar unverzichtbar, um dem eigentlichen Sinn eines Textes auf den Grund zu kommen. Wie sonst sollten Transzendenzerfahrungen von damals sich für heute verständlich machen lassen? – Die biblischen Bilder und Metaphern sind nicht Beweis für einen „Designer-Gott“, sondern Einladung zum vernünftig begründeten Vertrauen auf den einen Gott, der in der ganzen Bibel letztlich ohne Abbild bleibt.[55]

Insofern dürfen beide Sprachen: diejenige der Bibel und die der Naturwissenschaft nicht miteinander vermischt werden. Auf der einen Seite steht die Sprache der Bibel, die – so Werner Heisenberg – „eine Verständigung ermöglicht über den hinter den Erscheinungen spürbaren Zusammenhang der Welt, ohne den wir keine Ethik und keine Wertskala gewinnen könnten (…).“ So hat der Himmel, „von dem in der Bibel die Rede ist, wenig zu tun mit jenem Himmel, in den wir Flugzeuge oder Raketen aufsteigen lassen (…).“ Fazit: „Wir dürfen also die beiden Sprachen nicht durcheinanderbringen, wir müssen subtiler denken, als dies bisher üblich war.“[56]

Was also ist der Sinn des Schöpfungsglaubens? Er liegt gewiss nicht darin, naturwissenschaftliche Informationen zu vermehren, sondern führt uns in einen Bereich, der uns die Tiefendimension der Wirklichkeit erschließen kann, wenn wir uns darauf einlassen. Gerade in einer Zeit, in der die Sinnressourcen schwinden, eröffnet der Schöpfungsglaube den Menschen ein Orientierungswissen, das auf einen übergeordneten Zusammenhang, auf Sinn zielt. Dafür allerdings gibt es keinen Beweis – auch nicht durch „intelligent design“ –, sondern diese Möglichkeit kann ergriffen werden in einem vernünftig begründbaren Vertrauen, das Transzendenzerfahrungen in unserer Lebenswelt zulässt und als solche wahrzunehmen bereit ist.[57]

 

III. Konsequenzen für den Pflichtschulunterricht

 

1. Kreationismus an staatlichen Schulen als Verstoß gegen das Neutralitätsprinzip

Dass der Kreationismus an staatlichen Schulen als Alternative zur Evolutionslehre unterrichtet wird – wie dies in Amerika bereits der Fall ist –, ist nach alledem höchst bedenklich. Es spiegelt sich darin die Sehnsucht nach prämoderner Einfachheit wider, die sich nicht nur anachronistisch zur postmodernen Situation verhält, sondern – wie gesehen – auch den Sinn der biblischen Botschaft missversteht. In Deutschland freilich ist der Einfluss evangelikaler Gruppen nicht so stark, als dass mit einem „Kulturkampf im Klassenzimmer“ zu rechnen wäre.[58]

Dennoch ist es bezeichnend, wenn beispielsweise jeder achte Lehramtsstudent der Universität Dortmund daran zweifelt, „dass die Evolution so stattgefunden hat, wie die Naturwissenschaften sagen“; das betrifft sogar Studenten der Biologie. Von den befragten 148 angehenden Biologielehrern zweifelten 5,5 Prozent daran, dass eine Evolution stattgefunden hat. Und von fast 9 Prozent der Biologie-Lehramtsstudenten wird abgelehnt, dass Mensch und Schimpanse gemeinsame „äffische“ Vorfahren besitzen.[59]

Zu bedenken ist, dass im neutralen Staat kein weltanschauliches Konzept privilegiert werden darf; er ist säkularer Staat, der nicht darauf aus ist, „den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen, sondern nur in bestimmten Beziehungen“.[60] Jede Bevorzugung weltanschaulicher oder religiöser Ansichten würde diese Neutralität in Frage stellen. Daher hat jeder das Recht zu glauben, was er will; fraglich wird es erst, wenn einige Gruppen gesellschaftliche oder politische Sonderregelungen geltend machen, mit denen beabsichtigt wird, auf naturwissenschaftliche Lehrpläne Einfluss zu nehmen oder sogar den Schulbesuch von Kindern ganz abzulehnen mit dem Hinweis, im Biologieunterricht würde die Evolutionstheorie unterrichtet und das Kind möge davon verschont bleiben.[61] Dass diese Situation durchaus der Realität entspricht, zeigen die sogenannten „12 Stämme“, eine süddeutsche urchristliche Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder ihre Kinder selbst unterrichten, weil sie staatlichen Unterricht zu Sexualkunde und Evolutionstheorie ablehnen. Im Februar 2006 bestätigte das Bayerische Kultusministerium dieses Vorgehen unter bestimmten Auflagen.[62]

 

2. Gemeinsamkeiten zwischen biologischer Evolution und biblischer Erklärung?

In falsch verstandener Solidarität mit der Religion hat die hessische Kultusministerin Karin Wolff versucht, „eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion“ aufzuzeigen. Sie plädiert für einen „modernen Biologieunterricht“, „in dem auch die Grenzen naturwissenschaftlich gesicherter Erkenntnis sowie theologische und philosophische Fragen nach dem Sinn des Seins und der Existenz von Welt und Menschen eine Rolle spielen sollten“.[63]

Zunächst: Auch Evolutionsbiologen vertreten nicht zwingend eine absolut verstandene Evolutionstheorie; im Gegenteil: Im besten Falle sind sie sich darüber bewusst, dass jede wissenschaftliche Theorie falsifizierbar ist.[64] Darüber hinaus: So zutreffend die fächerübergreifende Sichtweise prima facie ist, so fraglich ist die Konsequenz im Blick auf die Geltungsansprüche: Der naturwissenschaftliche Geltungsanspruch resultiert aus einer empirischen Methode, der religiöse dagegen aus einer Transzendenzerfahrung. Ein Hiatus zwischen beiden besteht dann nicht, wenn man bedenkt, dass es sich um unterschiedliche Ebenen handelt.

Dass Wolff diese Differenz der Ebenen nicht hinreichend beachtet, zeigt ihr Versuch, die biologische Evolution mit der biblischen Erzählung zu verbinden: In „der symbolhaften Erzählung der Bibel von den sieben Schöpfungstagen“ vermag sie eine „erstaunliche Übereinstimmung“ mit der wissenschaftlichen Theorie zu erkennen, obgleich sie weiß, dass die Schöpfungserzählung „kein naturwissenschaftlicher Abriss“ ist.[65] Damit kann die Kultusministerin nicht in die Nähe zum Kreationismus gebracht werden; denn sie ist sich der Symbolhaftigkeit der Erzählung bewusst.

Außerdem scheint es so, dass sie darum bemüht ist, den naturwissenschaftlichen Primat zu kritisieren, wenn sie sich auf „die Deutungen der Welt und des Menschwerdens“ bezieht: Alle Pädagogen sollten über diese Deutungen reflektieren, weil die Wissenschaft allein auf solche Fragen „keine befriedigende Antwort“ gebe.[66] Zu Recht weist sie mit dieser Aussage die oben skizzierte Dissoziation der Bereiche von Wissenschaft, Moral und Kunst in der Moderne zurück und will der integrierenden Frage nach der Bedeutung wieder eine entscheidende Relevanz zumessen. Insoweit ist ihre Äußerung meines Erachtens legitim.

Fraglich ist nur, dass sie versucht, Gemeinsamkeiten zu konstruieren, wo es nicht auf solche ankommt, wenn sie Zusammenhänge zwischen naturwissenschaftlicher Theorie und Schöpfungserzählung ausmachen will, ohne zu bedenken, dass es sich hier um ganz unterschiedliche Sprachebenen handelt. Insofern unterschätzt sie die Eigenständigkeit der religiösen Erzählung, die mit der naturwissenschaftlichen Methodik, der es um empirische Analyse geht, gerade nicht zu erfassen ist.

 

3. Fazit

Was folgt aus alledem für den Pflichtschulunterricht? Kreationismus und Intelligent Design sollten durchaus in der Schule behandelt werden; freilich sind sie als gesellschaftliche Weltanschauung darzustellen, nicht als Alternative zur Evolutionstheorie.[67] In diesem Zusammenhang gilt es, die Schöpfungserzählungen in angemessener Weise auszulegen, damit bei den Schülern der Hiatus zwischen Glauben und Wissenschaft von vornherein nicht entstehen kann. Bereits Augustinus zur Zeit der Spätantike war die Auslegung vom vierfachen Schriftsinn bekannt, und er hatte erfahren, dass ein wortwörtliches Verständnis des Alten Testaments zu fragwürdigen Ergebnissen führt.[68] Hinter diesen Stand der Textinterpretation sollte man heute nicht zurückfallen.

Um die oben erörterte Ebenenverwechslung zu vermeiden, ist es meines Erachtens empfehlenswert, Kreationismus und Intelligent Design als gesellschaftliche Weltanschauung und letztlich unterkomplexe Vorstellungen einer Theologie der Schöpfung[69] gegenüberzustellen, die im Religionsunterricht zu entwickeln wäre. Hierbei ergibt sich dann die Möglichkeit, beide Weltanschauungskonzepte parallel zu den Schöpfungserzählungen der Genesis zu erläutern, um gegenüber dem Kreationismus klarzumachen, dass der jüdisch-christliche Glaube kein „credo quia absurdum“ erfordert, gegenüber Intelligent Design aber herauszustellen, dass der Irrtum dieser Lehre nicht in der Annahme eines sinnvollen Gesamtverlaufs der Evolution liegt, sondern darin, die Ordnung durch eine intelligente Ursache als wissenschaftlich bewiesen anzusehen.

Die jüdisch-christliche Religion lädt demgegenüber zu einem vernünftig begründeten Vertrauen ein, das sich auf den Glauben an einen Schöpfer einlässt, ohne einem Kategorienfehler zu unterliegen. Daraus folgt, dass im Biologieunterricht weiterhin die Evolutionstheorie gilt, und zwar ohne Kreationismus und Intelligent Design als Alternativen dazu ins Spiel zu bringen; denn wie gesehen, handelt es sich bei beiden gerade nicht um wissenschaftlich ernst zu nehmende Theorien, sondern um ein fehlerhaftes Bibelverständnis im einen, um pseudowissenschaftliche Behauptungen im anderen Fall.

Zurück zur Ausgangsfrage: Darf man sich also im Blick auf die Evolutionslehre aus religiösen Gründen wissenschaftlichen Erkenntnissen verweigern? Antwort: Man darf dies solange nicht, wie es sich tatsächlich um Erkenntnisse handelt und nicht um Auswüchse eines monologischen Flachlanddenkens; denn mit einer Verweigerung wird man weder der Religion noch der Wissenschaft gerecht, sondern läuft Gefahr, sich einer fundamentalistischen Auffassung zu unterwerfen oder einen Kategorienfehler zu begehen. Vielmehr soll man wissenschaftliche Erkenntnisse prüfen, um von der in der Moderne vollzogenen Differenzierung der Bereiche zu einer Integration zu kommen, in der jeder Bereich seinen eigenen Geltungsanspruch plausibilisieren kann, zugleich aber jede Art von Kolonialisierung vermieden wird.

 

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* Marita Thomalla, meiner Mutter, danke ich herzlich für die Mühe des Korrekturlesens.

[1] Vgl. Reinhold Leinfelder, Neugier, nicht Dogmatismus bringt die Wissenschaft weiter. In: Humboldt-Spektrum 2/2007, 68-72; 71.

[2] Dazu: Ken Wilber, The Marriage of Sense and Soul, New York 1998; dt.: Naturwissenschaft und Religion. Die Versöhnung von Wissen und Weisheit, Frankfurt am Main 1998, 2. Auflage 1999, 75; 85; 102.

[3] Bemerkenswert ist dazu eine Geschichte, die Stephen Hawking erlebt hat und die zeigt, dass die Autonomie vielleicht doch nicht so weit reicht: Als in den 80er Jahren ein von den Jesuiten organisierter Astronomenkongress in Rom stattfand, empfing Papst Johannes Paul II. die Gäste mit der lächelnden Bemerkung, sie sollten wohl darüber debattieren, wie die Welt sich entwickelt habe, aber nicht darüber spekulieren, wie der Anfang der Welt zustande gekommen sei; denn dieser liege in den Händen Gottes. Daraufhin war Hawking sehr erschrocken; so schreibt er amüsiert, er sei am selben Tag wie Galilei geboren und der Zufall wollte es, dass es ausgerechnet sein Thema war, auf besagtem Kongress über den Anfang der Welt nachzudenken. Er habe sein Möglichstes getan, um den Vatikan zu verlassen, ehe man erführe, wovon sein Referat handeln sollte. – Die Geschichte findet sich in: Eugen Drewermann, Wenn die Sterne Götter wären. Moderne Kosmologie und Glaube. Im Gespräch mit Jürgen Hoeren, Freiburg im Breisgau 2004, 73 f.

[4] Vgl. Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Band 1, Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Frankfurt am Main 1981, TB-Ausgabe 1995, 413.

[5] Vgl. Thomas Rentsch, Gott, Berlin 2005, 12.

[6] Vgl. Ken Wilber, A Brief History of Everything, Boston 1996, dt.: Eine kurze Geschichte des Kosmos, Frankfurt am Main 1997, 6. Auflage 2002, 170.

[7] Das lässt sich heute daran erkennen, dass an den Universitäten ein Primat der Naturwissenschaften besteht, was die Vergabe von Drittmitteln betrifft. Oder: Wenn Lehrstühle an Fakultäten geschlossen werden, so geschieht dies zumeist an den geisteswissenschaftlichen.

 

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. Bas Kast, Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt, Frankfurt am Main 2004, 14 f.: Verrückt vor Verliebtheit; 98-101: Ist Eifersucht eine Zwangsneurose?

[10] Niklas Luhmann, Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität, Frankfurt am Main 1982, TB-Ausgabe, 5. Auflage 1999, Kapitel 2; 21-39.

[11] Vgl. Wilber, Naturwissenschaft und Religion, 154.

[12] Vgl. Jürgen Habermas, Glauben und Wissen. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2001, Frankfurt am Main 2001, 2. Auflage 2002, 22: „Ressourcen der Sinnstiftung“.

[13] Das bedeutet nicht, dass religiöse Phänomene nicht mit naturwissenschaftlicher Methodik untersucht werden können; so werden die neurowissenschaftlichen Verfahren auf Meditation angewandt; vgl. Ulrich Schnabel, Die Biologie des Glaubens. Mystische Erlebnisse auf Knopfdruck. In: Geo Wissen Nr. 29, 31-40. – Was aber dabei erkannt wird, ist ebenfalls nur ein empirisches Ergebnis, dessen religiöse Bedeutung ist der Neurobiologie nicht zugänglich.

[14] Vgl. Thomas Rentsch, Religiöse Vernunft: Kritik und Rekonstruktion. Systematische Religionsphilosophie als kritische Hermeneutik. In: Hans-Joachim Höhn, Hg., Krise der Immanenz. Religion an den Grenzen der Moderne, Frankfurt am Main 1996, 235-262; 258.

[15] Vgl. dazu: Wilhelm Schmid, Glück, Frankfurt am Main und Leipzig 2007, 67-71: „Sinn über sich hinaus, der zu denken und zu fühlen ist“.

[16] Fridolin Stier, Vielleicht ist irgendwo Tag. Die Aufzeichnungen und Erfahrungen eines großen Denkers, Freiburg im Breisgau 1993, 2. Auflage 1994, 145.

[17] Vgl. Stier, Vielleicht ist irgendwo Tag, 145 f.; Hervorh. von mir; stammen Hervorhebungen in Zitaten von mir, weise ich stets darauf hin.

[18] Vgl. David Quammen, Lag Darwin falsch? Nein! Die Belege für die Evolution sind überwältigend. In: National Geographic/Deutschland (November 2004), 86-119.

[19] Vgl. ebd.; siehe auch: Hans Küng, Der Anfang aller Dinge. Naturwissenschaft und Religion, München 2005, 8. Auflage 2006, 111.

[20] Vgl. Gerhard Czermak, Die Evolutionstheorie und ihre Gegner; unter: http://www.bfg-bayern.de/aktuelles/EvolutionCz.htm; Seite zuletzt eingesehen am 18. März 2008.

[21] Vgl. Reinhold Leinfelder, Kreationismus in Deutschland: Volle Kraft voraus ins Mittelalter? In: GfBS-News, Newsletter der Gesellschaft für biologische Systematik 16/2006, 47-51; 47 f.

[22]Vgl. zum Ganzen: Gerhard Czermak, Die Evolutionstheorie und ihre Gegner; unter: http://www.bfg-bayern.de/aktuelles/EvolutionCz.htm.

[23] Vgl. ebd.

[24] Vgl. zutreffend Rentsch, Gott, 14: Naturwissenschaftliche Theoriebildung und religiöser Wahrheitsanspruch seien „kategorial inkompatibel“. Beide könnten „wahr oder falsch sein – aber auf ganz unterschiedlichen Ebenen“.

[25] Vgl. Küng, Der Anfang aller Dinge, 132-134.

[26] Vgl. Eberhard Schockenhoff, Kann man glauben, um zu erkennen? Evolutionslehre und „Intelligent Design“, gesehen im Licht einer Theologie der Schöpfung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. August 2005, 44.

[27] Vgl. Wilber, Naturwissenschaft und Religion, 210.

[28] Vgl. Leinfelder, Neugier, nicht Dogmatismus, 68.

[29] Vgl. Patrick Illinger, „Intelligent Design“ ist weder Wissenschaft noch Religion. In: Süddeutsche Zeitung vom 8. Juni 2005.

[30] Vgl. Schockenhoff, Kann man glauben, um zu erkennen?, 44.

[31] Zum Ganzen: Ebd.

[32] So Peter F. Strawson, Die Grenzen des Sinns. Ein Kommentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft, Königstein/Taunus 1981, 182.

[33] Vgl. Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft (1781), herausgegeben von Raymund Schmidt, Hamburg 1993, B 543.

[34] Eugen Drewermann, … und es geschah so. Die moderne Biologie und die Frage nach Gott, Zürich und Düsseldorf 1999, 768.

[35] Christoph Schönborn, Finding Design in Nature. In: The New York Times vom 7. Juli 2005.

[36]  Schöpfungsglaube und Wissenschaft. Über „intelligent design“ diskutierte Kardinal Christoph Schönborn  mit der Molekularbiologin Renée Schroeder. In: Der Standard vom 24./25./26. Dezember 2005.

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. Philipp Blom, Neodarwinisten und Altgläubige. In: Der Standard vom 27./28. August 2005.

[39] Stephan Horn/Siegfried Wiedenhofer, Hg., Schöpfung und Evolution. Eine Tagung mit Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo, Augsburg 2007, 21.

[40] Vgl. ebd.

[41] Vgl. Schönborn, Finding Design in Nature; dazu: Kardinal Schönborn legt sich mit Charles Darwin an. In: Der Standard vom 11. Juli 2005; siehe auch: Horn/Wiedenhofer, Hg., Schöpfung und Evolution, 87.

[42] Horn/Wiedenhofer, Hg., Schöpfung und Evolution, 161.

[43] Vgl. Zum Ganzen: Robert Spaemann, „Danke Gott und freue mich“. Wider die Tendenz, die Debatte um Kardinal Schönborns Einspruch gegen die Evolutionstheorie zu bagatellisieren. In: Der Standard vom 23./24. Juli 2005.

[44] Dazu: Robert Spaemann/Reinhard Löw, Natürliche Ziele. Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens, Stuttgart 2005; zuerst 1981 veröffentlicht unter dem Titel: Die Frage Wozu?

[45] Vgl. Wilber, Eine kurze Geschichte des Kosmos, 170.

[46] Vgl. Schockenhoff, Kann man glauben, um zu erkennen?, 44.

[47] Das sieht zutreffend: Schockenhoff, ebd.

[48] Vgl. Rentsch, Gott, 13: Dogmatismus und Fundamentalismus seien „Gegenbeispiele glaubwürdiger Religion und eines überhaupt diskutablen Gottesverständnisses“, die in der Religion selbst „als solche erkannt“ worden sind. Auch Rentsch sieht die Gefahr, die davon ausgeht: „Ein naives Gottesverständnis und die dogmatisch-fundamentalistische Haltung der Kirche begünstigten (…) eine oft ebenso naive und bis heute populäre dogmatisch-fundamentalistische Religionskritik.“ (Hervorh. von mir)

[49] Vgl. dazu: Klaus Thomalla, Integratives Denken oder: Wie kann der Geburt des Subjekts aus dem Geist der Biowissenschaften vorgebeugt werden? In: Ethica 15 (2007) 4, 421-426; 424 f.

[50] Vgl. Leinfelder, Neugier, nicht Dogmatismus, 69.

[51] Vgl. Schöpfungsglaube und Wissenschaft. In: Der Standard vom 24./25./26. Dezember 2005.

[52] Vgl. Klaus Taschwer, Der Missionar des Atheismus. In: Der Standard vom 9. Januar 2007; siehe auch: Richard Dawkins, The God Delusion, dt.: Der Gotteswahn, Berlin 2007, 6. Auflage 2007; dazu mit Recht kritisch: Hermann Häring, Auch Himmelsstürmer können irren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Januar 2008, 36.

[53] Vgl. Arnold Benz, Die Zukunft des Universums. Zufall, Chaos, Gott? (1997), München 2001, 51-53: Zwei Sprachebenen.

[54] Vgl. Leinfelder, Neugier, nicht Dogmatismus, 70.

[55] Küng, Der Anfang aller Dinge, 135 f.

[56] Zum Ganzen: Werner Heisenberg, Naturwissenschaftliche und religiöse Wahrheit. In: Ders., Schritte über Grenzen. Gesammelte Reden und Aufsätze, 2., erweiterte Auflage, München 1973, 335-351; 348.

[57] Vgl. Küng, Der Anfang aller Dinge, 141 f.

[58] Vgl. Katja Gloger, Kulturkampf im Klassenzimmer. In: Stern 46/2005.

[59] Vgl. Viele angehende Lehrer bezweifeln die Evolutionstheorie. In: Süddeutsche Zeitung vom 25. April 2007; http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/576/111465/; Seite zuletzt eingesehen am 18. März 2008.

[60] Vgl. Josef Isensee, Art. Staat. In: Staatslexikon, hrsg. Von der Görres-Gesellschaft, Band 5, 7., völlig neu bearbeitete Auflage, Freiburg-Basel-Wien 1989, Sp. 133-157; 152.

[61] Vgl. Leinfelder, Kreationismus in Deutschland: Volle Kraft voraus ins Mittelalter?, 50.

[62] Vgl. ebd.

[63] Vgl. Ralf Euler, Wolff will Schöpfungslehre im Biologieunterricht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29. Juni 2007, 1.

[64] Vgl. Leinfelder, Neugier, nicht Dogmatismus, 68.

[65] Vgl. Euler, Wolff will Schöpfungsehre im Biologieunterricht, 1.

[66] Vgl. ebd.

[67] Vgl. Leinfelder, Neugier, nicht Dogmatismus, 71.

[68] Vgl. Augustinus, De utilitate credendi (391/392). Über den Nutzen des Glaubens, übersetzt und eingeleitet von Andreas Hoffmann, Freiburg im Breisgau 1992, 91: Das Alte Testament bringe man denen, „die an seiner genauen Kenntnis interessiert sind, mit vier Auslegungsmöglichkeiten nahe: mit der Auslegung im historischen, im aitiologischen, im analogen und im allegorischen Sinn“ („Omnis igitur scriptura, quae testamentum vetus vocatur, diligenter eam nosse cupientibus quadrifariam traditur: secundum historiam, secundum aetiologiam, secundum analogiam, secundum allegoriam“; util. cred. 5). In unserem Kontext bemerkenswert ist die Tatsache, dass Augustinus sich die vielen dunklen Stellen alttestamentlicher Texte keineswegs mit einer Methode, scil. derjenigen, die nach dem historischen Sinn eines Textes fragt, zu erschließen suchte, sondern hierzu eine Methodenvielfalt verwendete, um dadurch der manichäischen Kritik am Alten Testament die Grundlage  zu entziehen (vgl. Andreas Hoffmann, Einleitung. In: Augustinus, De utilitate credendi. Über den Nutzen des Glaubens, 7-75; 24-31; besonders: 24).

[69] Dazu: Schockenhoff, Kann man glauben, um zu erkennen?, 44; Alexandre Ganoczy, Art. Schöpfung. In: Peter Eicher, Hg., Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe, Band 5, München 1991, 26-35.