25.01.2007

Gemeinsam Schulqualität sichern

„Statt ideologietheoretische Grundsatzfragen zu stellen“, so Peter Silbernagel, Sprecher des Aktionsbündnisses Schule, „geben wir schulpraktische Antworten auf die Probleme. Schulqualität ist eben konkret!“ Konstruktiv – kritisch achtet das Aktionsbündnis beispielsweise darauf, daß bei der Umsetzung des neuen Schulgesetzes die Schulformprofile nicht verwischt werden. Anliegen ist ebenso, neben der Qualitätsanalyse die traditionelle Schulaufsicht nicht einer personellen Ausdünnung preiszugeben. Auch zur Reform der Lehrerausbildung haben die Bündnis-Partner ihre Vorstellungen formuliert.

 

„Viele reden von gewünschten Kooperationen im Bildungsbereich. Wir praktizieren eine aktive und effektive Bildungspartnerschaft über isoliert - egoistisches Denken hinaus“ schätzt Peter Silbernagel die Geschlossenheit des Bündnisses. „Die solide Bilanz gibt uns Auftrieb, weiterhin Motor eines qualitätsorientierten Schulsystems in Nordrhein-Westfalen zu sein!“

Zwei Jahre Aktionsbündnis Schule: Zukunftsmodell einer Bildungspartnerschaft

Zum Jahrestag einige Fragen an Peter Silbernagel

 

Frage:

Das Aktionsbündnis Schule feiert sein zweijähriges Bestehen. Ungewöhnlich, zumal die Gründung eigentlich aus Protest gegen die Schulgesetzpläne der damaligen Landesregierung erfolgte!

 

Silbernagel:

Nicht nur ungewöhnlich, eher außergewöhnlich! Im Januar 2005 schlossen sich 16 schul- und hochschulpolitische Organisationen zusammen, darunter allein fünf Elternorganisationen sowie fünf Lehrerverbände – eine gelungene Kooperation, die mit erstaunlicher Geschlossenheit auftritt, vielleicht so etwas wie ein Zukunftsmodell einer gelebten Bildungspartnerschaft!

 

Der Unmut und die Verärgerung über die Absichten der damaligen Landesregierung führten zu diesem Zusammenschluß. Alle Beteiligten waren sich darin einig, nicht zuzulassen, daß über den Zusammenschluß bestehender Schulen zu Verbundschulen die Schulformstruktur ausgehöhlt wird und eine schulformübergreifend arbeitende Schulaufsicht die Schulqualität in Nordrhein-Westfalen nachhaltig beschädigt.  Die Diskussionen in den Oppositionsparteien machen deutlich, daß das Thema aktueller denn je ist.

 

Frage:

Lohnte sich der Einsatz?

 

Silbernagel:

Unsere Bilanz ist beachtlich. Die Pläne der Rot-Grünen-Landesregierung wurden vereitelt. Während des Landtagswahlkampfes 2005 fanden ca. 50 Aktionen, Demonstrationen und Podiumsdiskussionen unter Mitwirkung von Teilnehmern des Aktionsbündnisses Schule statt. Eine Folge davon war, daß Schulpolitik zu einem zentralen Wahlkampfthema wurde. Es war beispielsweise bemerkenswert zu erleben, wie dank einer lebhaften und intensiven Aufklärungsarbeit die Unterstützung für eine schulformbezogene Schulaufsicht stetig zunahm.

 

Das Aktionsbündnis arbeitet auch deshalb so effektiv, weil alle Teilnehmer Schulqualitätsfragen ins Zentrum ihrer schulpolitischen Beurteilung stellen. Orientierung sämtlicher Veränderungen sind für uns nicht ideologietheoretische Fragen, sondern schulpraktische Antworten, die sich an dem Machbaren ausrichten und dem Wohl der Schülerinnen und Schüler dienen.

 

Frage:

Wie sehen ihre Perspektiven aus?

 

Silbernagel:

Die positiven Erfahrungen und konkreten Erfolge provozieren uns geradezu, weiterhin für ein gutes Schulsystem zu streiten. Reformaktionismus und ein „Kurzzeitgedächtnis“ führen in der Schulpolitik dazu, daß nichts automatisch auf Dauer gesichert ist.  Es bleibt unsere Aufgabe, darauf zu achten, daß in der konkreten Umsetzung des Schulgesetzes Schulformvielfalt gewährleistet bleibt. Und wenn auch die schulformbezogene Aufsicht im Gesetz festgeschrieben ist, so droht der traditionellen Schulaufsicht nicht zuletzt wegen der Umsetzung von Personal in die Qualitätsagenturen eine personelle Ausdünnung. Zudem führen Aufgabenverlagerungen und -übertragungen auf die Eigenverantwortliche Schule zu einem neuen Rollenverständnis der originären Aufsicht.

 

Vor wenigen Wochen hat das Aktionsbündnis seine Erwartungen zur Reform der Lehrerausbildung formuliert.

Konstruktiv – kritisch werden wir nach wie vor die Eckdaten der Schulpolitik beurteilen, das Machbare herausstellen und uns für das Notwendige stark machen. Die zurückliegenden zwei Jahre machen Mut. Aber sie verpflichten auch!