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07.03.2007 |
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![]() Prof. Dr. Eckart Pankoke |
( Universität
Duisburg/Essen – Institut für Soziologie Familien
als Aktivposten der Bürgergesellschaft Arenen
– Allianzen – Agenden
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„Familie
und Bürgergesellschaft“: Beide
Begriffe stehen in Spannung, wenn wir Familie traditionell beschwören als
dicht geschlossenen Kreis sozialer Nähe und wir die Gegenseite erleben
als „offene Gesellschaft“. Hier ruft die Fülle bislang unentdeckter Möglichkeiten
aber auch zu Verantwortungen
des bewußteren Lebens und Handelns. Gerade am Zusammenhang zwischen Familiensinn und Gemeinsinn können
wir erkennen, dass „Offenheit“ und „Verbindlichkeit“ sich nicht
ausschließen muss, sondern sich wechselwirkend stützen und stärken,.
Dies demonstriert gerade das oft gute Zusammenspiel von aktivem
Familienleben und dem aktiven Vereinsleben der Bürgergesellschaft. „Familienleben“
und „Vereinsleben“, diese die beiden Aktivposten von „aktiver
Gesellschaft“ sind zueinander in ko-produktive Vermittlung zu bringen: Aktive
Familien werden zu vitalen Aktivposten der Bürgergesellschaft. ·
Gemeinsinn und
solidarisches Engagement findet oft schon frühe Prägung in einem
lebendigen Familienleben. ·
Die engagierten
Akteure der Bürgergesellschaft finden Anschub und Rückhalt durch ihre
familiale Einbindung. Aktive
Bürgergesellschaft wird für die Familien zum Rahmen der freien
Entfaltung von Eigenleben und Selbststeuerung. ·
Über bürgergesellschaftliche
Selbstorganisation lernen Familien, ihre Interessen auch nach Außen zu
vertreten. ·
Familien in Not
finden oft Rat und Hilfe über bürgerschaftliche Formen der
selbstorganisierten Solidarität von Rat und Hilfe. ·
In den Krisen
familialer Nähe und Enge finden sich Auswege über extra-familiale und
inter-familialer Netze. Unter
dem Modernisierungsdruck von Transformationsprozessen kommt es heute –
in Deutschland wie überall in unser unserer globalisierten Welt – zu
krisenhaften Verschärfungen familialer Problemlagen. Auf diese
Herausforderung antwortet soziale Praxis mit professionellen wie
institutionellen Programmen und Projekten familienorientierter Hilfs-
Beratungs- und Bildungsangebote. Modernisierungsdruck
und Transformationsprozesse Von „Transformationsprozessen“
sprechen wir, wenn
Modernisierung sich durchsetzt durch technischen Fortschritt,
wirtschaftliches Wachstum oder politische Steuerung. Gerade Familien müssen
dabei neue Spannungen zwischen „System“ und „Lebenswelten“
aushalten und ausgestalten. Dies zeigt sich in einer dramatischen Auffälligkeit
von Familienproblemen und Problemfamilien, Familienprobleme:
Familien haben Schwierigkeiten Neben den Versorgungsprobleme zur
Sicherung der (haus-)wirtschaftlichen Stabilität des Familienlebens kommt
es im Binnenraum des Familienleben zu Erziehungsproblemen und
Beziehungsproblemen. Im Außenverhältnis
zur gesellschaftlichen Umwelt Relationsprobleme zu
Funktionssystemen (Arbeit, Konsum, Schule) Problemfamilien:
Familien treiben in Krisen Entwicklungskrisen Steuerungskrisen Sinnkrisen und Systembrüche Erosionen familialer Stabilität
und Solidarität Anomie und Devianz Familiale
Ressourcen: Kompetenzen und Potentiale Moderne Familien sind
herausgefordert zu Lernprozessen. Zu entwickeln sind dazu familiale
Kompetenzen der solidarischen Selbsthilfe. Ein weiterer Schritt sind
Initiativen der politischen Selbststeuerung zur Entwicklung familialer Außenrelationen
(etwa in Verantwortungsfeldern der schulischen Mitbestimmung).
Familienorientierte Bildungs-, Beratungs- und Leistungsangebote dürfen
also nicht nur die sozialen Schwächen sehen, sondern werden auch die
solidarischen Stärken akzeptieren und aktivieren müssen. Kritische
Entwicklungen: Schrumpfende Gesellschaft Immer weniger Kinder werden
geboren. -
aber dabei immer mehr in riskanten Konstellationen (Frühgebärende,
Spätgebärende). Frühe Mütter und Väter finden
sich heute gerade bei Jugendlichen in prekärer Lage – auf der Suche in
ein eigenes Leben. Doch ist die Situation verschärft sich riskant bei
gleichzeitig durch Berufsnot und Arbeitslosigkeit verweigerter eigener Existenzbasis, bei gestörter sozialer Identität und
bei fehlendem sozialen Kapital solidarischer
Netze und Halte. In der aktiven Lebensphase der
Berufsfindung und der Familiengründung hingegen verweigern die Krisen der
Arbeitsgesellschaft vielen jungen Erwachsenen die existentielle
Sicherheit, sich dauerhaft zu binden und Elternschaft verantworten zu
wollen. Das trifft gerade junge moderne Frauen in der schwierigen Balance
zwischen Berufsnot und Kinderwunsch. Späte Geburten bedeuten nicht nur
medizinische Risiken. Späte Ein-Kind-Elternschaft riskiert auch im Verhältnis
zum Kinde oft hohen Erwartungsdruck – verbunden mit Verwöhnung,
Over-Protection und Überforderung. Aber die Situation der Kinder ist
nicht nur quantitativ zu sehen. Auch qualitativ ist Sorge geboten, dass
bei immer weniger Kindern immer mehr unter immer schlechtern Konditionen
aufwachsen: Dies wird heute problematisiert unter Problemformeln wie,„Kinderarmut“,
„Bildungsarmut“, „Verfall des sozialen wie kulturellen Kapitals“,
„Verhaltensstörung“, „soziale Verwahrlosung“ und „psychische
Gefährdung“. Als Krisen-Symptom gelten auch die
heute in der sozialen Praxis bei Kindern immer dramatischer werdenden Störungen:
Ernährungsstörungen, Störungen der körperlichen Beweglichkeit,
Sprachstörungen, Schreib- und Lese-Schwächen
und die – oft vorschnell durch Psychopharmaka gedämpfte – Störungen
des psychophysischen Gleichgewichts. Komplexität
und Reflexivität Komplexität
wird zum Problem, wenn modernes Familienleben
in den Binnenbeziehungen wie in den Außenrelationen mit
krisenhaften Entwicklungen konfrontiert wird. Komplexität
nach innen bedeutet, dass – nach Schwächung der traditionell
autoritären Halte und Muster – nun
die familialen Beziehungs- und Erziehungsfelder selbst gesteuert und
verantwortet werden müssen. Komplexität
nach außen bedeutet entsprechend, dass die Familien und ihre
Mitglieder nun die Außenrelationen zu den unterschiedlichen
gesellschaftlichen Funktionssystemen selbst regulieren und steuern müssen.
Das gilt für das Schulsystem, für das Gesundheitssystem, für das
Konsum-System, für den Umgang mit Kommunikations-Medien und vor allem für
die Systemzwänge der Berufs- und Arbeitswelt. Reflexivität
neuer Praxis ist gefordert, wenn moderne Familien aktiv werden im
Sinne einer bewussten Gestaltung und Steuerung der unterschiedlichen
Binnenbeziehungen wie Außenrelationen. (Vgl. Elternmitbestimmung, Gruppen
gesundheitlicher Selbsthilfe, Initiativen der Selbststeuerung in Feldern
der Stadtentwicklung.) Wir sprechen im Blick auf die
bewusste Gestaltung und Veränderung der Außenrelationen zu den Umwelten
modernen Familienlebens von „Selbststeuerung“. Familiales
Engagement erfordert aktive Kompetenz und stabilisierenden wie
aktivierenden Kontext. „Reflexivität
familienorientierter Dienste“ heißt dann,
dass diese Hilfen immer rückbezogen sein müssen auf die Bedürfnisse,
die Bereitschaften, auf Befähigung und Ermöglichung familialer
Selbsthilfe und Selbststeuerung. „Reflexivität“ entwickelt sich über
Prozesse der Aushandlung und der Verständigung zwischen Eltern und
Kindern, Profis und Laien, Anbietern und Kunden. Dabei werden die
Familienmitglieder durch Aktivierung zu Subjekten eigenen/ gemeinsamen
Handelns Familienprobleme
stellen sich heute dar im vielfarbigen Spektrum einer wachsenden Zahl
moderner Lebensformen, die
sich von den traditionellen Mustern eines „normalen“ Familienlebens
immer weiter entfernen. Die Normalitätsstandards von Familienleben und
Arbeitsleben werden oft strukturell verweigert, etwa wenn durch Berufsnot
und Arbeitslosigkeit die Bereitschaft zur Familiengründung und die Freude
an Kindern verunsichert und entmutigt wird. Lernhilfen
als Lebenshilfen. Die von den familieorientierten
Diensten angebotenen „Lebenshilfen“ müssen sich dann verbinden mit
„Lernhilfen“. Dies fordert Kompetenzen und KOntexte der Selbsthilfe
und Selbstorganisation. „Netzwerke“
und „Lernprozesse“: Soziale Netzwerke bieten kommunikative
Kontexte, in denen Eltern (aber auch Kinder) miteinander und voneinander
lernen können. Aber auch die praktische Kunst sozialer Vernetzung muss in
vielen Fällen erst noch erlernt werden. Wichtig werden dabei neue
Lernallianzen zwischen Elternhaus und Schule, zwischen Familienleben und
der Entwicklung im Stadtteil. Grenzen
und Krisen klassischer Dienste und Hilfen Doch wird dann deutlich, dass die
bisherigen Angebote einer professionellen wie institutionellen Familienförderung
selbst in Krisen treiben: ·
Im Horizont neuer professioneller
Diskurse sehen sich traditionelle Formen der Familienhilfe und
Familienbildung konzeptionell in Frage gestellt. ·
In der Verknappung und weiter drohenden Verkürzung
privater Ressourcen und öffentlicher Mittel werden sozialpädagogische
Dienstleistungen finanziell in die Enge getrieben. ·
Im Zuge eines gesellschaftlichen
Wertewandels sind viele Menschen heute rücksichtsloser als früher
orientiert am Wettbewerb der individuellen Leistungen. Zugleich scheint
eine Solidarität mit den Schwachen auch politisch weniger legitimierbar
als zuvor. In dieser Scherenbewegung
zwischen einem sich krisenhaft verschärfenden Problemdruck und dem
Sog des finanziellen wie politischen Rückzug aus früher geförderten
Programmen der Familien- und Erziehungshilfe kommt es zu einer
Verunsicherung der Professionen und zur institutionellen Schwächung der
Familienhilfe. Dann müssen die öffentlichen wie privaten Träger
familienorientierter Projekte sich neu orientieren – und entsprechend
neu organisieren. Die
steigenden Turbulenzen und Komplexitäten
der Problemlagen von Kindern und Familien werden zur Herausforderung von
reflexiven Kompetenzen und Kontexten der familienorientierten Dienste und
Hilfen. Reform
und Transformation familienorientierter Hilfen. FAMILIENZENTREN
setzen auf eine neue Bündelung der familienorientierten Dienste und
Hilfen. Die neuen Kriterien sind „Niederschwelligkeit“,
„Feldorientierung“, „Konzertierung“, „Partizipation“: „Niederschwelligkeit“
Für viele Familien – gerade in
prekären Verhältnissen – bedeuten die offiziellen und professionellen
Dienste oft eine abweisende Schwelle. Bei den offiziellen Diensten fürchten
viele Familien „soziale Kontrolle“ und in deren Folge den Einblick und
Eingriff in die Autonomie der sozialen Lebenswelt. Angst machen aber auch
die eigenen Sprachbarrieren, um gegenüber den professionellen Autoritäten
für sich selbst Gehör und Verständnis zu finden. Damit fehlt die über
partnerschaftliche Kooperation mit den Diensten erforderliche Basis des
Vertrauens. Die Niederschwelligkeit soll nun
abbaut werden, durch die Umstellung von „Komm-Struktur“ zu
„Geh-Struktur“. Nicht die Familien sollen zum Amt kommen, sondern die
Vertreter der offiziellen Dienst „gehen“ dorthin, wo die Kinder und
ihre Familien ohnehin selbst hinkommen und so problemloser Vertrauen
finden können. So finden Familienzentren ihren sozialräumlichen
Anlaufpunkt im Gebäude oder unmittelbaren Umfeld von Kindergärten,
Kinder-Tagesstätten (KiTa), aber auch in der Lebensnähe der ambulanten
Hilfen durch Tages-Mütter/ Tages-Eltern. „Fallbezug“
und „Feldorientierung“; Die deutsche Sozialarbeit hat große
Traditionen in ihrem individualisierenden Fallbezug. Die hohen Schulen der
Sozialarbeit entwickelten – gerade in ihren sozialpädagogischen und
sozialpsychologischen Orientierungen hohe professionelle Schärfe in der
Diagnose personaler „Schwächen“. Aus dem Blick kam dabei allerdings
ein Akzeptieren und Aktivieren der sozialen „Stärken“. Diese aber
finden sich gerade bei den wirtschaftlich schwachen Soziallagen. In den
Blick kommen dann neben den personalen Kompetenzen die sozialen
Kontexte aktiver Lebensfelder. Auf diese sozialen Kräfte setzt das
Konzept des „Empowerment“ einer feldorientierten Sozial- und
Gemeinwesenarbeit. „Multiple
Problembetroffenheit“ Während im individualisierenden
Fallbezug die Diagnose auf die personalen Defizite fixiert ist, erkennt
eine feldorientierte Problemanalyse, dass Familien oft von multiplen
Lasten und Nöten betroffen sind. Die inneren Probleme von Beziehungs- und
Erziehungskrisen verschärfen sich oft noch durch riskante und gestörte
Außenrelationen: im oft gespannten und gestörten Verhältnis
zum Beschäftigungssystem, zum Gesundheitssystem, zum
Bildungssystem oder zu den immer schärfer vermarkteten Welten des Konsums
und der Kommunikation. Diese multiple Problemverflechtung
muss ihre Entsprechung darin finden, dass auch die Dienste und Hilfen
mehrdimensional organisiert und konzertiert werden. Wichtige Kooperationspartner ergeben sich – gerade für die „Früherkennung“
sozialer und gesundheitlicher Risiken – auch im Medizinalbereich. In der
oft kritischen Phase nach der Geburt auch in Kooperation mit den Hebammen
über die in vielen Städten eingerichtete Hebammen-Zentrale, deren
Beratungshilfe für die ersten Lebensmonate von den Krankenkassen
finanziell getragen wird. Zu den in der Familienhilfe
kooperierenden kommunalen Instanzen und zivilen Initiativen gehört auch
die in vielen Städten von solidarisch engagierten Bürgern eingerichteten
„Tafeln“ zur Umverteilung von Lebensmitteln an hungrige Mitbürger.
Hier werden zunehmend auch bedürftige Familien zur Zielgruppe. Dabei
zeigt sich oft auch, dass in vielen Familien die hauswirtschaftliche
Kompetenz fehlt, diese Lebensmittel in eigener Küche weiterzuverarbeiten.
Hier bekommen Kochkurse als Einstieg in einer weiterführende
Verbraucher-, Ernährungs-
und Gesundheitsberatung lebenswichtige Bedeutung. Konzertierung:
Koordination
und Partizipation der Hilfeplanung Die in den Familienzentren
konzentrierten Anlaufstellen sozialer Dienste und Hilfen bedeutet nicht
nur für die Kunden eine einladende Offenheit der kurzen Wege. Zugleich
erleichtert diese auch die bei multiplen Problem-Zusammenhängen geforderte Abstimmung der Hilfen. So sind die Felder und
Felder der Hilfe Thema von Konferenzen einer kollegialen Hilfeplanung, wo
nicht nur die unterschiedlichen Kompetenzen der Sozial- und Jugendhilfe
sondern auch Vertreter der Schulsozialarbeit evtl. auch von Diensten
medizinischen Hilfe, der Arbeitsvermittlung oder der Schuldnerberatung
beteiligt sind – und durch dieses Vertrauen in die Verantwortung
einbezogen werden. Die Verantwortung im „Wächter-Amt“
der kommunalen Familiendienste erfordert gerade in der
„Clearing-Phase“ die kommunikative und kooperative Vermittlung
unterschiedlicher Perspektiven. Beteiligung
der Eltern und Kinder: Vertrauen und Verantwortung Die partizipative Herstellung von
Verbindlichkeit der „ Hilfeplangespräche“ fordert alle Zuständigen,
Beteiligten und Betroffenen „an einen Tisch“. Dies gilt vor allem für die
Beteiligung der Eltern und ihrer Kinder. Oft weitet sich dieser Kreis,
indem auch Großeltern oder bei Scheidungskonflikten die ‚alten’ und
‚neuen Eltern’ einbezogen werden. Nur wer sich zu seinen eigenen
Perspektiven auch „gefragt“ sieht, wird auch bereit sein, die
Beantwortung dieser Fragen „verantwortlich“ mitzutragen. Für die Sozialarbeiter erfordert
dies anspruchsvolle Kompetenzen der Moderation und der Mediation
(Konflikt-Vermittlung), die professionell begleitet werden müssen
durch Angebote der fachlichen Fortbildung, der kollegialen Selbstkontrolle
und der Supervision. Strategie-Entwicklung
der Familienhilfe: Arenen,
Allianzen, Agenden „Arenen“
fordern kommunikative Offenheit und Öffentlichkeit für Probleme und
Konflikte „Allianzen“
setzen auf solidarische Verbindlichkeiten und die Bündelung
unterschiedlicher Ressourcen und Kompetenzen. (Wissen-Netze und
Kompetenz-Cluster) „Agenden“
setzen auf die Bereitschaft, gemeinsame Wege
gemeinsam zu gehen – als soziale Bewegung „von unten“ auf neuen
Wegen „nach vorne“. Ein
von den freien Trägern familienorientierter Beratung und Hilfe
entwickeltes Angebot inter-familialer
Vernetzung findet sich mit dem Reformprojekt
„Familienzentren“. Die in NRW und anderen Bundesländern
familienpolitisch geförderten neuen „Familienzentren“ sollen sich
entwickeln zu „Knotenpunkten in einem neuen Netzwerk“ der
familienunterstützenden Hilfe-, Beratungs- und Bildungsdienste. Oft in Partnerschaft zwischen
politischer Verantwortung und dem freien Engagement der BürgerZugleich
sollen sich die neuen Familienzentren entwickeln zu Vermittlungsstellen für
Tagesmütter und Väter, zu Zentren der vorschulischen Sprachförderung
und zu Bündelungen der familienorientierten Dienste von Kinderbetreuung,
Familien- und Erziehungsberatung, sowie von familiennaher Bildungsarbeit. Die Leistungskriterien und
Entwicklungsziele beziehen sich auf: Beratung
und Unterstützung von Kindern und Familien ·
Niederschwellige Angebotsstruktur (z.B. offene Sprechstunde,
Elternsprechtage) ·
Information über das regionale Spektrum der Leistungs- und
Beratungsangebote. ·
Angebot von Eltern-Kind-Gruppen (auch bei Kindern unter 3 Jahre) ·
Gruppenangebote zur Gesundheits- und Bewegungsförderung für
Kinder (möglich auch mit den Eltern) Frühkindliche
Bildung Sprachliche, sportliche, künstlerisch-musische
Bildung Kooperation mit den Grundschulen
zur Vorbereitung der Einschulung Elternbildung
und Erziehungspartnerschaft ·
Angebot von Kursen zur Stärkung der Erziehungskompetenz und
anderen familiennahen Themen ·
Elternabende (-nachmittage, frühstücke) und Elterncafé in
Verbindung mit niederschwelligen Bildungs- und Beratungsangeboten. ·
Öffnung von Räumen für selbstorganisierte Aktivitäten und
Initiativen der Eltern ·
Spezielle Angebote zur Stärkung auch der väterlichen
Erziehungskompetenz Tagespflege ·
Vermittlung von Tagespflegepersonen (Tages-Müttern, Tages-Eltern) ·
Qualifizierung und Aktivierung ehrenamtlicher, teilzeitberuflicher
Tagespfleger/innen. ·
Nutzung von Räumen
des Familienzentrums für Angebote der Tagespflege Angebote
zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ·
Betreuungsangebote zu den Arbeitszeiten, aber auch an Abenden und
Wochenenden und „Über-Mittag“ mit Mittagessen. ·
Notfallbetreuung bei
kurzzeitigen beruflichen Terminen, Arztbesuchen, Erkrankungen etc. Sprachförderung
und interkulturelle Aktivitäten ·
Entwicklung und Einsatz von Testverfahren zur Früherkennung von
Sprach-, Lese- und Rechtschreibschwäche, ·
Deutschkurse und Bildungsangebote für Eltern mit
Migrationshintergrund ·
Förderung von Aktivitäten der interkulturellen Begegnung Verankerung
im Sozialraum und öffentlich Präsenz ·
Auswertung der Informationen über die strukturelle wie kulturelle
Situation des Stadtteils ·
Mitwirkung in stadtteilbezogenen Gremien ·
Bündelung und Verknüpfung stadtteilbezogener Aktivitäten ·
Öffentlichkeitsarbeit über Presse, Info-Material und Internet-Präsentation Kooperation
„Ziel: Das Familienzentrum bündelt
für die Gestaltung seines Angebotes die Kompetenzen und Ressourcen
lokaler Kooperationspartner“ Diese heute auch als
Cluster-Management bezeichnete Strategie der Kooperation und Kombinatorik
konkretisiert sich über Informationsaustausch, Kooperationsvereinbarungen
und die Institutionalisierung einer Lenkungsgruppe. Damit öffnet sich
„unter dem Dach“ des Familien-Zentrum die „Galerie“ eines offenen
Marktes der Möglichkeiten. Familienberater/innen übernehmen dann die
Funktion des „Lotsen“ – „im Verbund von Diensten, die eigenständig
arbeiten, aber miteinander kooperieren. Perspektive:
Familiensinn und offene Gesellschaft Unsere Hinweise zu
familienorientierten Bildungs-, Beratungs- und Dienstleistungen sind ein
Spiegel für den multiplen Problemdruck, dem modernes Familienleben heute
ausgesetzt ist. Zugleich aber wirken vielen dieser Angebote aktivierend für
„familiale Kompetenzen“ der Eigenstabilität, der Selbstregulierung
und der Selbststeuerung. Dies ist gefordert – ganz unabhängig davon, ob
heute die Kinder vorwiegend innerhalb oder auch auserhalb der Familien
betreut und erzogen werden. Im Fall einer deutlich familienexternen
Kindererziehung werden die Halte des Familienlebens ein wichtiges
Korrektiv, um den Kindern schon früh die Kompetenz-Erfahrung von
Vertrautheit, Vertrauen und Verantwortung zu vermitteln. Aber auch stark
familienzentrierte Erziehungsfelder brauchen Korrektive und Alternativen,
über die
das Kind soziale Kompetenzen erlernen und erwerben kann, etwa im
Umgang mit Kooperation und Konflikt. Der Soziologen Ralph Dahrendorf
untersuchte in den noch jungen Jahren der Bundesrepublik die
für eine offene demokratischen Gesellschaft förderlichen
Tugenden. Er unterschied dabei die „privaten Tugenden“, die prägend
in der Familie erlernt werden wie „Treue“, „Wahrheit“ oder
„Echtheit“. Dem kontrastierten die „öffentlichen Tugenden“, wie
sie gefordert sind im öffentlichen Raum der offenen Gesellschaft. Sie hätten
vielleicht nicht die Tiefe der sog. „privaten Tugenden“, sondern ermöglichten
eher ein bewegliches Miteinander wie „Fair-Play“, „Kontaktfreude“,
„Kontraktfähigkeit“ „Kooperationbereitschaft“. Zu einem guten Leben gehört
beides Vielleicht könnte sich zwischen beiden Polen ein balanciertes Verhältnis
entwickeln, wenn auch die familiale Prägung zwischen den eher
konservativen „privaten Tugenden“ und den eher liberalen „öffentlichen
Tugenden“ der offenen Gesellschaft sich nicht gegeneinander sondern
miteinander entwickeln können. Das bedeutet, dass die außerfamilialen
Erziehungsfelder ein Gegengewicht finden in der Förderung der familialen
Kompetenzen der Eltern. Andererseits muss die oft auf die
Mutter-Kind-Diade verdichtete familiale Prägung der privaten Tugenden
gelockert und geöffnet werden, indem das soziale Lernen der KindER auf
sozialen Kompetenzerfahrungen sich öffnen können für die
extra-familialen oder auch inter-familiäre offenere Erziehungsfelder. Aus
diesem Grunde engagieren sich viele Eltern bewusst in Bündnissen sozialer
Vernetzung, zunächst umverwandschaftlichen oder nachbarschaftlichen
Umfeld, oder im dichten sozio-kulturellen Milieu von Glaubens- oder
Gesinnungsgemeinschaften. Wichtig wird es für die Kinder aber auch, wenn
sie zugleich auch von Anderen und Fremden lernen können. Ein wichtiges Feld, in denen sich
den Kindern neue Lernwelten öffnen, ergibt sich heute über
selbstorganisierte Netze, denn wo soziale Nähe
nicht mehr „natürlich“ gegeben ist, muss man diese künstlich
herstellen durch gezielt gesuchte Vernetzung. Hier könnte sich gerade in den bürgergesellschaftlichen
Feldern von Sportvereinen und Musikschulen, von Jugendverbänden und
selbstorganisierten Kulturszenen, aber auch von Solidaritätsinitiativen
oder Nachhaltigkeits-Projekten den Kindern schon früh eine Welt eröffnen,
die sie fordert selbst Verantwortung zu übernehmen. Aus dem Wege zu
solchen Kulturen der Verantwortungen, könnten Familien die Kinder auf
ihren Wegen mit konstruktiven Hilfen aber auch kritischen Fragen
begleiten.
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