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Die Studierenden im Mittelpunkt - Zum neukonzipierten Studium an der Universität St. Gallen Dr. oec. et dipl.sc.pol. Sascha Spoun |
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1 Freiheit
und Verantwortung in Lehre und Studium In diesem Beitrag geht es um Ideen zur Gestaltung
eines Studiums, das Menschen für ein verantwortungsvolles Handeln in
einer freien Gesellschaft vorbereiten soll. Dazu bietet sich das
Beispiel der Universität St. Gallen (Schweiz) an, weil hier eine
Studienreform, wie sie nun im Zuge des Bolognaabkommens
(www.bologna-berlin2003.de,
Schiedermair 2003)
auf alle Universitäten in 40 europäischen Staaten zukommt,
systematisch für eine Überprüfung und Neuausrichtung der Ziele,
Inhalte und der Organisation des Studiums genutzt wurde – ausgehend
vom Leitmotiv „überlegen in der Verantwortung: wir fordern und fördern
Persönlichkeiten“. Es wird in der Diskussion und in der Praxis der nächsten
Jahre zu überprüfen sein, in wieweit damit ein Beitrag zu Freiheit und
Verantwortung in Lehre und Studium geleistet werden konnte. Das Beispiel der Universität St. Gallen ist insofern
interessant, als es mit den Fächern BWL, VWL, Politikwissenschaft und
Recht auf die Praxis ausgerichtete Studiengänge betrifft, deren
Absolventen eine gewisse Bedeutung in Gesellschaften mit sozialer
Marktwirtschaft zukommt. Da es aber nicht um eine kleine private
Hochschule geht, sondern um eine öffentliche, die in der
Betriebswirtschaftslehre hinsichtlich Zahl der Absolvierenden,
Doktorierenden und Dozierenden eine der grössten im deutschsprachigen
Raum ist, lassen sich diese Erfahrungen auf andere Universitäten übertragen.
In mancher Hinsicht beschleunigten die St. Galler Reformen bereits den
Bolognaprozess in der Schweiz. Das Beispiel St. Gallens ist auch deshalb
interessant, weil dieses Studienmodell bereits seit 2001 für alle
neueintretenden Studierenden praktiziert wird. Ausserdem wird damit
diejenige Universität im deutschsprachigen Raum betrachtet, die als
erste vollständig auf Bachelor-/ Master umgestellt hat. Dieses Beispiel
zeigt weiterhin, wie die neuen Studienabschlüsse und das damit
einhergehende Kreditpunktesystem für eine eigenständige Profilierung
genutzt werden können, die bewusst auf traditionelle Stärken setzt und
sich einer Niveauabsenkung im Studium wie einer Kopie vermeintlich
vorbildlicher Studienmodelle andernorts, namentlich aus den USA,
entgegenstellt. Vielmehr wurden die Traditionen der Universität
(Spoun, Müller-Möhl et al. 1998)
als einer Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden und der Stellung der
einzelnen Fächer mit Hinblick auf ein ganzheitliches Bildungs- und
Ausbildungsverständnis wieder belebt. Es liegt folglich eine zu Fragen
nach der Freiheit und Verantwortung in Lehre und Studium viel
versprechende Fallstudie vor. Um Einblicke in die Neukonzeption der Lehre an der
Universität St. Gallen zu geben, werden als erstes Rahmenbedingungen
der Entwicklung (Kapitel 2) vorgestellt, bevor die einzelnen Teile der
Neukonzeption diskutiert werden. Dabei geht es zuerst um das Verständnis
von Universität (Kapitel 3), die grundlegende Studienarchitektur
(Kapitel 4), einzelne Bausteine (Kapitel 5) sowie Organisation und
Weiterentwicklung (Kapitel 6). 2 Die
Universitätslandschaft im Umbruch Universitäten müssen das für sie jeweils relevante
Umfeld sehr sorgfältig analysieren und interpretieren, denn viele Veränderungen
betreffen ihre Position und Zukunftschancen. Einerseits sind dies die
politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, auf die im Folgenden
nicht eingegangen wird, weil sie bereits an vielen Stellen gerade für
Deutschland dargestellt wurden, und anderseits diejenigen durch
Globalisierung (zur Internationalisierung von Universität
(Spoun 1998)
) und andere Veränderungen der Gesellschaft, die wichtige
Rahmenbedingungen für die Neukonzeption der Lehre in St. Gallen waren
und in Deutschland genauso relevant sind. Zentral ist das Verständnis
der Wettbewerbsposition
(Zöller 2003)
, in der sich die Universität um die besten Studierenden,
Wissenschaftler und finanziellen Ressourcen befindet. Die Universität
wird nur so gut sein, wie eben diese menschlichen und finanziellen
Ressourcen zur Verfügung stehen. Dabei kommt zumindest mit Blick auf
die Lehre, die Dynamik der Universität und deren gesellschaftliche
Position der Zahl und Qualität der Studierenden die zentrale Bedeutung
zu. Aufgrund der hohen Mobilität gerade der besonders begabten und
motivierten Studierenden ist diese Konkurrenz eine weltweite.
Abbildung 1:
Einflussfaktoren auf die Universität Die neuen Medien
(Spoun und Wunderlich 2003)
nehmen vielfältigen Einfluss auf die Universität, in dem z.B.
Standardlehrinhalte weltweit verfügbar sind, das Inter- und Intranet
als Kommunikations- und Lernplattform eingesetzt werden kann, sich die
Recherchemöglichkeiten stark vereinfachen, aber auch die Möglichkeiten
zum Bezug aller möglichen Studienarbeiten. Ein Studium muss den
bewussten und gezielten Umgang mit diesen Medien zum Gegenstand machen. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen sowie die Entwicklungen der einzelnen Fachdisziplinen
führen zu zwei für das Studium wichtigen Entwicklungen: erstens zur
sinkenden Halbwertszeit des Wissens, die Methodenwissen notwendiger
macht und Faktenwissen tendenziell entwertet, sowie zur generell
steigenden Bedeutung des lebenslangen Lernens. Letzteres erfordert eine
entsprechende Motivation der Absolventen und eine methodische
Vorbereitung. Sinkende oder nur langsam steigende Staatsbeiträge an die
Universitäten bei zugleich steigenden Studierendenzahlen machen darüber
hinaus effiziente Lösungen und neue Finanzierungsquellen notwendig. 3 Bedeutung
von „Universität“
für die Universität St. Gallen Wenn
die Hochschule St. Gallen für Wirtschafts-, Rechts- und
Sozialwissenschaften die Bezeichnung „Universität“ führt, bedarf
das angesichts ihrer besonderen Tradition und wegen ihrer spezifischen
Ausrichtung einer kurzen Begründung. Die allerdings verrät viel vom
Geist dieser akademischen Bildungsstätte. Greifen wir einen alten
lateinischen Terminus auf. Als „universitas magistrorum et scholarium“
wurden im Mittelalter Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden
bezeichnet, in denen nach einem Grundstudium die zweite Stufe mit dem
Grad des „baccalaureus“, die dritte Stufe mit dem Grad eines „magister“
oder „doctor“ abgeschlossen wurde. Dieser Universitätsbegriff ist
also höchst modern. Denn eine derartige Gemeinschaft von Lehrenden und
Lernenden will auch die Universität St. Gallen sein. Dieser sind die
Verbundenheit von Dozierenden und Studierenden im Universitätsalltag,
in zahlreichen Initiativen und Projekten, im persönlichen und
kollegialen Kontakt derer, die sich – um es ehrwürdig und zeitgemäss
zu bezeichnen – als Kommilitonen verstehen, besonders wichtig. Eine
Hochschule ist also nicht – nach einem weit verbreiteten Missverständnis
– deshalb eine Universität, weil dort die Wissensdisziplinen in einem
universalen Sinne vertreten wären. Wohl aber, weil die dort gelehrten Fächer
in einem ganzheitlichen, einem universalen Verständnis der allgemeinen
Bildung und der fachlichen Ausbildung verpflichtet sind. Und die
Universität St. Gallen folgt als Universität diesem Leitgedanken der
akademischen Gemeinschaft ihrer Mitglieder und der Ganzheitlichkeit
ihrer wissenschaftlichen Studienangebote. In der Dauer der Studien, den
Schwerpunkten, in den wissenschaftlichen Fundierungen und im Praxisverständnis
unterscheidet sie sich damit signifikant von den Fachhochschulen. Dieses ganzheitliche Verständnis
von Universität vermitteln buchstäblich schon auf den ersten Blick
Architektur und Kunst auf dem Campus am Rosenberg. Gebäude, Gemälde,
Plastiken, Objekte – sie schaffen ein spannungsvolles Ambiente, prägen
eine geistige Atmosphäre voller Anreize für Mitglieder, Gäste und
Besucher der Universität. Kunst und Wissenschaft im Dialog miteinander
– offen und kritisch, anregend und bereichernd. Und es ist diese
typische Kultur der Universität St. Gallen, die auch und vor allem das
geistige Leben und jene, die es tragen, auszeichnet und so
unverwechselbar macht. In dem eben genannten Sinne von Universität will
St. Gallen gemäss seiner Vision als eine der führenden
Wirtschaftsuniversitäten Europas in Wissenschaft und Praxis
international anerkannt sein. Dabei handelt es sich um eine Vision, also
ein Orientierung gebendes Ziel, denn der Wunsch nach solcher Anerkennung
muss erst durch Leistung legitimiert werden und erst durch den darauf gründenden
Erfolg eingelöst werden. Die Angehörigen der Universität verbindet
dabei die integrative Sicht von Wirtschafts-, Rechts- und
Sozialwissenschaften, denen es in einem ganzheitlichen Verständnis um
problembezogene Integration geht statt um das Aneinanderreihen von
Spezialwissen – und dabei immer und vor allem um die Entwicklung der
Persönlichkeit. Um diese Vision erfolgreich umzusetzen, soll über die
Wissensvermittlung hinaus ein Beitrag für die charakterliche
Entwicklung junger Menschen und für deren soziale, kulturelle und
kommunikative Befähigung geleistet werden. Das Studium soll deshalb
nationalen wie internationalen, wissenschaftlichen wie praktischen Ansprüchen
genügen, in dem es Studierenden eine Ausbildung in wissenschaftlichen Fähigkeiten,
fachlichem Wissen, praktischen Stärken und soziale Kompetenzen bietet. 4 Drei
Stufen und drei Säulen als zukunftsweisende Studienarchitektur Das Studienmodell (www.studium.unisg.ch,
Spoun und Wunderlich 2003b)
lässt sich im Kern durch seine Abschlüsse und seine tragenden Säulen
charakterisieren. Die Studierenden bereiten sich auf einen Bachelor of
Arts sowie verschiedene Masterabschlüsse vor. Viel entscheidender ist
die konsequente Gliederung des Studiums in drei Säulen. Unterschieden
werden an der Universität St. Gallen Kernfachstudium, das sich in
Kontaktveranstaltungen (50 % der Studienleistung) und Selbststudium (25
% der Studienleistung) gliedert, sowie Kontextstudium (25 % der
Studienleistung). Mit den drei Säulen des Studiums wird der Tatsache
Rechnung getragen, daß eine ausschließliche Spezialisierung für die
Absolvierenden in den Fach- und Berufsfeldern der Universität St. Gallen
unzureichend ist. Gleichzeitig müssen die Studierenden Voraussetzungen
und Bereitschaft zu lebenslangem selbständigen Lernen erwerben, und die
Dozierenden müssen unabdingbar in Zukunft verschiedene Rollen und
Aufgaben übernehmen, denn sie sind nicht nur in ihrer Funktion als
Wissensvermittler gefragt, sondern darüber hinaus, und zwar ausnahmslos
in stärkerem Masse als bislang, auch als Mentoren und Coaches, als
Partner und Ansprechpartner der Studierenden.
Abbildung 2:
Studienarchitektur Diese Studienarchitektur bietet einen Rahmen, in dem
eine Persönlichkeitsbildung durch Wissenschaft und die universitäre
Gemeinschaft erfolgen kann. Entscheidend dafür sind indes der habitus
und die Arbeit der Studierenden. Die Universität kann und sollte nur
Angebote machen, denn Freiheit und Verantwortung, mithin die ethische
Dimension in der Wissenschaft, können nicht erzwungen werden, lassen
sich aber durch ein entsprechendes Studienangebot strukturell,
prozessual und inhaltlich fördern. Deshalb versteht sich die Universität
St. Gallen als eine Plattform zur Entwicklung, die freiwillig gewählt
werden kann und die im Wettbewerb zu vielen anderen attraktiven
Bildungsangeboten steht. Entscheiden sich die Studierenden für ein
Studium in St. Gallen und innerhalb dieses für einzelne Veranstaltungen
bzw. Angebote, dann sind diese mit vollem Einsatz und Verbindlichkeit zu
erbringen, so daß Studienerfolge im Sinne der Neukonzeption der Lehre
und ihrer Leitideen erreichbar werden. Es gibt Wahlfreiheit für die
Studierenden, aber keine Beliebigkeit, denn ernsthaftes Studieren setzt
auch Konsequenz und Disziplin voraus. 5 Angebote
des Forderns und Förderns der Studierenden Derartig ambitionierte Ziele eines Studiums für
Studierende, die bereit und fähig sind, Verantwortung für die
Gesellschaft zu übernehmen, erfordern viele und verschiedene Ansätze,
in denen die Ziele und Werte von den Studierenden erfahren werden können.
Es geht darum, ihnen schrittweise Orientierungsstandards für Richtung,
Ziele sowie Ausmaß ihres gesellschaftlichen Handelns aufzuzeigen. Dabei
sollen die Studierenden Wertvorstellungen kennen lernen, die Leitlinien
und Begründungen für den Ausgleich von Interessen liefern, die zu
gesellschaftlicher Identität und Integration und letztlich zur
Berechenbarkeit von Verhalten beitragen und damit zur Lebensfähigkeit
von Gesellschaften. Dazu fühlt sich die Universität St. Gallen
verpflichtet: aufgrund ihres Bildungsauftrags, aufgrund der Werte der
das Studium tragenden Universitätsangehörigen, der Erfordernisse in
Gesellschaft und Berufsleben und der wahrgenommenen Veränderungen in
der Bildungslandschaft, weil viele Institutionen und Personen, die früher
an diesen Wertvorstellungen gearbeitet haben, heute in sehr viel
geringerem Maß diesen Bildungsauftrag wahrnehmen. Deshalb kann es im Hinblick auf solche akademische
Werteethik und Wertepraxis eine „wertfreie“ Wissenschaft nicht
geben, genauso wenig wie ein dem Gemeinwohl verpflichteter akademischer
Forschungs- und Lehrbetrieb „wertfrei“ sein darf. Und weil die
Freiheit von Forschung und Lehre, weil die Pluralität von Positionen,
weil Disput und Diskussion gleichsam wissenschaftliche „Grundwerte“
sind, darf weder Dogmatik noch Druck von außen ein Wertemonopol ausüben.
Allein die besseren Argumente dürfen in der Frage von Prioritäten und
Hierarchien von Werten ausschlaggebend sein. Zumal, wenn in Zeiten
technologischer und biologischer Innovationen konkurrierende
Werteauffassungen einem strittigen Thema gegenüber ebenso begründete
wie differenzierte Einstellungen und Handlungskonsequenzen verlangen;
zumal, wenn in entsprechenden Situationen Gesinnung und Verhalten
politischer und wirtschaftlicher Machtträger in die öffentliche Kritik
geraten und den akademischen Ausbildungsstätten solcher Führungskräfte
das vehemente Ansinnen begegnet, auf das Wertebewusstsein ihrer
Studierenden nachhaltig Einfluss zu nehmen. Ausgewählte Ansätze werden
hier vorgestellt, wobei es um die Startwoche und die Assessment-Stufe
als für alle Studierende gemeinsame, verpflichtende Basis geht (Kapitel
5.1. und 5.2), um das ebenfalls verpflichtende Kontextstudium als
konstitutive Säule der Studienarchitektur (Kapitel 5.3), um die
freiwilligen Coaching- und Mentoringprogramme (Kapitel 5.4 und 5.5)
sowie das Center for Public Leadership als einer sich im Aufbau
befindlichen Einrichtung, die für Führungsverantwortung in der
Gesellschaft sensibilisieren und diese ausbilden helfen will (Kapitel
5.6). 5.1
Startwoche Die
Startwoche als einwöchige Blockveranstaltung vor Semesterbeginn macht
alle neueintretenden Studierenden mit Studium und akademischem Leben an
der Universität St. Gallen vertraut und stellt ihre Einrichtungen,
deren Aufgaben und Nutzungsmöglichkeiten vor. Als gemeinsame Einführung
und als gemeinsames Erlebnis soll die Startwoche aber auch ein
Zusammengehörigkeitsgefühl der neuen Kommilitoninnen und Kommilitonen
sowie Verbundenheit mit ihrer neuen Universität begründen. Gemeinsame
Arbeit und gemeinsame Unternehmungen sollen Kooperation, Teamgeist,
Solidarität und Verantwortungsbereitschaft fördern – Eigenschaften,
die während des gesamten Studiums sowie im späteren privaten und
beruflichen Alltag die Absolventinnen und Absolventen der Universität
St. Gallen auszeichnen sollen. Studierende aller Semester führen als
Tutorinnen und Tutoren in das akademische und soziale Leben der
Universität St. Gallen ein. Das
neue Studiensystem stellt große Anforderungen an die Studierenden. Ein
guter Start ist deshalb wichtige Voraussetzung für den Studienerfolg.
Weil diese Einführungsveranstaltung für den erfolgreichen Einstieg in
das Studium von grundlegender Bedeutung ist, gehört die Startwoche zu
den Pflichtveranstaltungen. Basierend auf einem ganzheitlichen Konzept
vermittelt die Startwoche Fach-, Handlungs- und Sozialkompetenz. Dazu
bietet sie inhaltlich sowie didaktisch-methodisch aufeinander
abgestimmte und abwechslungsreiche Angebote. In kleineren Gruppen,
betreut von Studierenden höherer Semester, den Tutorinnen und Tutoren,
lernen sich die Erstsemestrigen kennen, bauen in einem Group Building
Vorurteile ab und bearbeiten eine integrative Fallstudie, deren Lösung
am Ende der Startwoche präsentiert wird. Sie erhalten eine grundlegende
Einführung in die IT-Infrastruktur der Universität, lernen die
Bibliothek kennen, werden mit Methoden und Instrumenten
wissenschaftlichen Arbeitens und Präsentationstechniken vertraut
gemacht. Ein Medienteam gibt unter journalistischer Anleitung eine tägliche
Startzeitung – das „Startmagazin“ – heraus, die über
Veranstaltungen, Teilnehmende und Eindrücke berichtet. Ein zweites
Medienteam hält in einen Video Beobachtungen der Startwoche filmisch
fest. Die Theaterwerkstatt arbeitet während der Woche ein amüsantes Stück
aus und studiert dieses ein für eine Vorführung zum Abschluss der
Woche. So
behandelte die Fallstudie 2003 die künstlerischen, politischen und
wirtschaftlichen Sachverhalte des fiktiven Theaters „Wallikon“ und
bot damit einen idealen Zugang zu einem kulturellen Lebensbereich, der
viele Lernerfahrungen ermöglicht. Um den Studierenden für die
Fallstudie Erfahrungen aus erster Hand anzubieten, kamen 35 Experten aus
der Welt des Theaters an die Universität St. Gallen zu Besuch und
standen für Interviews den 60 Studierendenteams zur Verfügung. Alle
Studierenden nahmen außerdem an einer Bühnen- und Orchesterprobe von
Figaros Hochzeit im Theater St. Gallen teil und hatten vor Ort
Gelegenheit, Fragen zum Theaterbetrieb zu stellen. Musik und Theater,
Auftritte von Gästen – 2003 unter anderem von Sir Peter Jonas,
Intendant der Bayerischen Staatsoper, und des Germanisten Gerhart von
Graevenitz, Rektor der Universität Konstanz –
begleiteten die Startwoche und rundeten den wissenschaftlichen
Prolog mit praktischen Ein- und Ausblicken ab. Die Vorstellung der
Medienteamprojekte und die Prämierung der besten Fallstudienlösungen
sorgten zusammen mit einer Party der Studentenschaft am Freitag am Ende
der Startwoche für einen geselligen, unbeschwerten Ausklang. Den
Tutorinnen und Tutoren kommt in der Startwoche eine zentrale Bedeutung
zu. Sie sind verantwortlich für ihre Gruppe, motivieren, geben Rückmeldungen
und Rückhalt, unterstützen bei Projektaufgaben und weisen auf Lösungswege
hin, fördern den Gruppenzusammenhalt und beugen möglichen Konflikten
vor. Eine Herausforderung, in der großes Lernpotenzial steckt: Die
gezielte und reflektierte Beobachtung von Gruppen- und Einzelverhalten
regt zum kritischen Nachdenken über die eigene Person an und hilft
dabei, Sozialkompetenz, Leadership und Kommunikationsfähigkeit
weiterzuentwickeln. Um die Tutorinnen und Tutoren optimal auf ihre
Aufgaben vorzubereiten, erhalten sie ein maßgeschneidertes Training. Mit
der Startwoche sollen und können wichtige Lernziele erreicht werden und
zwar sowohl allgemein soziale Ziele, wie fachliche und überfachliche
Ziele: Allgemein
soziale Lernziele -
Faktoren von
Gruppenbildung und Gruppendynamik kennen lernen -
Sozialkontakte für Lernen und Arbeiten nutzen lernen -
Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln -
Teamarbeit organisieren -
Kommunikationskompetenz vertiefen Fachliche
und überfachliche Lernziele, hier am Beispiel der Fallstudie 2003 -
sich mit
Funktion und Bedeutung kultureller Werte für Individuum und
Gesellschaft auseinandersetzen -
sich mit der
kulturellen Bedeutung der „Institution“ Theater und ihrer
verschiedenen Träger, Formen sowie Typen für Gesellschaft und Staat
auseinandersetzen -
die
Handlungsrollen im Kulturbetrieb (Staat bzw. öffentliche Hand,
Kulturschaffende, Kulturinstitutionen, Öffentlichkeit, Publikum usw.)
kennen lernen -
die künstlerischen
und organisatorischen Prozesse von Theaterproduktion kennen lernen
(Theater St. Gallen) -
ökonomische
Logik und unternehmerische Erfordernisse des Theaterbetriebs kennen
lernen, Probleme identifizieren und konkrete Lösungsansätze
entwickeln, u. a. für Förderungsmöglichkeiten (Subvention,
Sponsoring, Fundraising usw.), Öffentlichkeitsarbeit -
im Team
Arbeitsziele definieren und Arbeitsprozesse optimieren -
Grundkenntnisse
für wissenschaftliches Lernen und Arbeiten erwerben, z.B. zur
Informationsbeschaffung und -auswertung, Präsentationstechniken Die
Startwoche findet von Montag bis Freitag mit einem fest strukturierten
Programm jeweils ganztägig auf dem Universitätsgelände statt. Dabei
erfüllen die verschiedenen Veranstaltungstypen, wie
Plenarveranstaltungen, Teilplena, Gruppenarbeiten, Einzelarbeiten und
soziale Anlässe (gemeinsames Mittag- und Abendessen, „Cafe des
Arts“, Sport), jeweils gewisse Funktionen der Information, Reflexion,
eigenständigen Arbeit u.a., wobei die Fallstudie in verschiedenen
Phasen, von der Problemerkennung und Problemstrukturierung bis zur Präsentation,
bearbeitet wird. Drei Durchführungen zu drei verschiedenen Themen in
den Jahren 2001, 2002 und 2003 ließen ein in vielen Details gut
abgestimmtes Format entstehen und zeigen bei allen Teilnehmenden
erfreulich positive Wirkungen. 5.2
Assessment-Stufe als gemeinsames Grundstudium für den Bachelor of Arts
(HSG) Maturand(inn)en
beginnen ihr Studium an der Universität St. Gallen mit der
Assessment-Stufe. In diesem ersten Studienjahr soll eine sorgfältige
wissenschaftliche Grundlegung erfolgen, und die Studierenden sollen an
die Anforderung herangeführt werden, ihr Studium in St. Gallen zu
„unternehmen“, d.h. selbständig und eigenverantwortlich mit allen
Konsequenzen zu planen und durchzuführen. Die zeitliche Begrenzung der
Grundstufe auf ein Jahr hat den Vorteil, daß Studierende und Universität
relativ schnell und auf einer breiten, überprüfbaren und transparenten
Basis feststellen können, ob sie zueinander passen. Vermieden wird
damit auch eine Auswahl von Studierenden einzig und allein aufgrund des
Notendurchschnitts in der Matura, einer Zulassungsprüfung vor dem
Studium oder einiger schriftlicher Klausuren in Kernfächern am Ende des
Studienjahrs. Die Universität St. Gallen will hingegen vielseitig
interessierten und aktiven Studierenden eine Chance geben. Grundsätzlich
soll die Lehre auf der Assessment-Stufe die Funktion eines allgemeinen
wissenschaftlichen Propädeutikums hinsichtlich der an der Universität
St. Gallen gelehrten Disziplinen erfüllen. Diese Studienstufe macht
deshalb mit ausgewählten disziplinären und wissenschaftlichen
Grundlagen vertraut. Dabei geht es um bestimmte Arbeitstechniken
(recherchieren, bibliographieren, zitieren, formulieren, argumentieren
usw.), um wissenschaftliche Methoden (Heuristik, Logik, Induktion,
Deduktion, Analyse, Synthese, Empirie usw.), um Erklärungs- und
Verstehenslehren (Hermeneutik, Werkimmanenz, Strukturalismus,
Konstruktivismus, Dialektik, Ideographie usw.), um Grundmuster von
Denkweisen und Denktraditionen in den Kerndisziplinen und deren
Unterschiede, um Erklärungsmuster zur Genese gesellschaftlicher
Institutionen, um die Konstitution und Interpretation von Texten
(Rhetorik, Ästhetik, Rezeption usw.), um die Faktoren und Systeme von
Kommunikation (Semiotik, Informationstheorie usw.), um Formen und die
Funktionen von Medien (Mediengeschichte, Medienästhetik,
Medienkommunikation usw.), sowie die Internalisierung
wissenschaftlicher Dynamik und um quantitativ-empirische Grundlagen.
Studierende sollen lernen, theoretische und praktische Probleme in
angemessener Zeit zu bearbeiten und zu lösen, sich selbständig mittels
Fachliteratur zu informieren, wissenschaftliche Erkenntnisse und
Ergebnisse fachgerecht, verständlich und überzeugend darzustellen und
zu vermitteln und sich fachübergreifend im akademischen und
gesellschaftlichen Diskurs stufenangemessen an der Erörterung
aufgeworfener Fragen und Probleme beteiligen zu können. Der
Grad des Bachelor of Arts nach drei Jahren als ein allgemein
wissenschaftlich qualifizierender Abschluss soll sich deutlich von den
mehr berufsorientierten und berufsqualifizierenden
Fachhochschulabschlüssen
unterscheiden. Der Bachelor der Universität St. Gallen ist nicht als
ein enger Fachabschluss („kleiner Jurist“, „kleiner
Betriebswirt“, „kleiner Volkswirt“) konzipiert, sondern lehnt sich
ganz ausdrücklich und bewusst nicht nur an Humboldt an, sondern auch an
die angelsächsische Idee der Persönlichkeitsbildung – etwa für die
Ausbildung von ”leadership” – oder an die in Frankreichs
Eliteschulen bestens bewährte Idee einer „culture générale“.
Allerdings sind die Möglichkeiten der Universität St. Gallen aufgrund
des spezifisch gewichteten Fächerspektrums nicht in der gleichen Weise
gegeben wie an der University of Oxford und den Liberal Arts Colleges
etwa von Harvard, Princeton, Yale oder Stanford. Verschiedene
Masterprogramme werden die Universität St. Gallen als „graduate
school“ der betreffenden Disziplinen ausweisen. Dabei werden zehn
Programme verwirklicht, die den Absolvierenden ein klares akademisches
Profil verleihen und sie auf anspruchsvolle Aufgaben in Praxis und
Wissenschaft vorbereiten. 5.3
Kontextstudium als verpflichtender Studienteil in allen Semestern Das
Kontextstudium beinhaltet Veranstaltungen zur kulturellen Kompetenz, zur
Reflexionskompetenz und zur Handlungskompetenz. Ziele und Anspruch
dieses Studiums gehen über das frühere Konzept der Kulturfächer weit
hinaus. Die Bezeichnung Kontextstudium soll nicht nur den Unterschied
zum Kernfachstudium markieren, sondern vor allem deutlich machen, daß es hier in der Tat um die geistigen, historischen, gesellschaftlichen
und ästhetischen Zusammenhänge geht, in denen sich unser aller Handeln
vollzieht, ob privat, ob sozial, ob wirtschaftlich oder ob politisch.
Durch „Reflexion und Training“ sollen die Studierenden besser als
bisher auf die laufend komplexer werdenden Anforderungen späterer
Berufstätigkeit und Alltagswelt vorbereitet werden. Sie sollen
gleichsam als Denkende und Handelnde fit für jene Zukunft gemacht
werden, in der sie Leistung zeigen und Verantwortung übernehmen wollen.
Reine Kernfachkenntnisse reichen dazu längst nicht mehr aus, und sie würden
sich in der Lebenspraxis als untauglich erweisen, wenn es den
Absolventen an den erforderlichen Fähigkeiten zu überlegtem und überlegenem
Verhalten in komplexen Systemen wie Unternehmungen oder öffentlichen
Verwaltungen fehlte. Innerhalb
des Kontextstudiums werden drei Teilsäulen unterschieden: erstens die
Reflexionskompetenz (Geistes- und Sozialwissenschaften), zweitens die
kulturelle Kompetenz (Literatur und Künste) und drittens die
Handlungskompetenz (fachüber-greifende Methoden). Lehr- und
Lernangebote des Kontextstudiums vermitteln Zugänge zur Ideenwelt der
Philosophie, des Rechts, der Religionen, zu gesellschaftlichen
Institutionen wie Staat, Wirtschaft, Politik, aber auch zu sozialen
Codes wie Mode und Lebensstile und zu Literatur und Theater, Kunst und
Musik, Film und neuen Medien – und damit insgesamt zur Kultur als
Lebenswelt und Werteordnung. Das Kontextstudium macht als ein „studium
integrale“ mit Grundlagen und Zusammenhängen von Denkweisen,
Erkenntnisinteressen, Wirklichkeitskonstitutionen und elementaren
Fachfragen verschiedener „Kontextwissenschaften“ vertraut. Geschult
werden sollen überdies die Fähigkeit zur Verbindung von logischem und
intuitivem Denken sowie grundlegende Erkenntnisoperationen wie
Vergleichs-, Analogie- oder Kontrastbildungen, Kombination, Deduktion,
Interpretation und begründete Urteilsfindung. Nicht zuletzt geht es natürlich
auch um den Erwerb von qualifizierten Fremdsprachenkenntnissen im
Hinblick auf interkulturelle Verständigung. Diese Kompetenz wird nicht
nur lexikalisch-grammatisch, sondern vor allem im Sinne einer
spezifischen beruflichen Anwendbarkeit ausgebildet. Ziel ist vorrangig
die Beherrschung fremder Fach- und Konversationssprachen. Alle
Studierenden müssen beim Abschluss des Bachelor- bzw. Masterstudiums
zwei Fremdsprachen nachweisen. Dabei ist eine Fremdsprache aktiv als
Fachsprache wie als Konversationsmittel in Wort und Schrift auf sehr
elaboriertem Niveau sowie eine zweite Fremdsprache auf fortgeschrittenem
Niveau (vor allem im Hinblick auf Lesekompetenz) zu beherrschen. Neben
der Reflexionskompetenz und der kulturellen Kompetenz werden
Handlungskompetenzen systematisch trainiert und gefördert. Zu diesen
gehören nicht nur Methoden wissenschaftlichen Arbeitens, sondern auch
so praktische Fähigkeiten wie das Halten juristischer Plädoyers,
Teamentwicklung oder Projektmanagement im Rahmen studentischer
Initiativen. Die Kursangebote zur Ausbildung der Handlungskompetenzen
vermitteln berufsübergreifende Schlüsselqualifikationen. Deren
Inhalte sind wiederum Gegenstand sozial- und geisteswissenschaftlicher
Reflexion und leiten so zu (selbst)kritischem und wissenschaftlich
fundiertem Umgang mit diesen Techniken und Verfahren an. Die angebotenen
Trainingskurse werden auf diese Weise eingebettet in die universitäre
Tradition und unterscheiden sich deshalb von anderen Angeboten dieser
Art. Die
Studierenden werden durch detaillierte Kursbeschriebe über Ziele,
Inhalte und Anforderungen der Veranstaltungen orientiert. Nachfolgend
als Beispiel (www.studium.unisg.ch) ein vierstündiger Kurs
"Wirtschaftsethik - die Marktwirtschaft in der Bürgergesellschaft"
der Reflexionskompetenz auf der Bachelor-Stufe (3. bis 6. Semester) von
Prof. Dr. Peter Ulrich. Mit diesem können 4 der 24 Kreditpunkte des
Kontextstudiums erworben werden: Ziele/
Inhalte Warum
Wirtschaftsethik? Die Frage ist falsch gestellt - erklärungs- und
kritikbedürftig ist vielmehr die Vorstellung, Wirtschaften sei eine
wertfreie Angelegenheit reiner ökonomischer Sachlogik! Während der längsten
Zeit der Geschichte, von den alten Griechen bis zur klassischen
Politischen Ökonomie, wurde das anders und durchaus sachgerecht
gesehen. Nicht zufällig waren die Begründer der modernen
Volkswirtschaftslehre (Adam Smith, John St. Mill u. a.) fast durchwegs
Moralphilosophen! Die moderne Wirtschaftsethik setzt diese Tradition
einer embedded economy mit modernen philosophisch-ethischen
Mitteln fort. Ein
erstes Ziel der Lehrveranstaltung wird es insofern sein, einige
ausgewählte geistesgeschichtliche Linien des ethischen Denkens über
Wirtschaft nachzuzeichnen, um so das Bewusstsein für die Abhängigkeit
ökonomischer Theorie und Praxis von ethischen Voraussetzungen und für
deren geschichtlichen Wandel zu schärfen. Erst auf diesem Hintergrund
wird voll verständlich, weshalb der aktuelle "Ruf" nach
Wirtschaftsethik keineswegs nur eine Modeerscheinung, sondern
erfahrungsgestützter Ausdruck tief greifender Veränderungen im Verhältnis
von Wirtschaft und Gesellschaft darstellt. Ein
angemessener Umgang mit den gegenwärtigen wirtschafts-ethischen
Herausforderungen setzt natürlich eine Konzeption von Wirtschaftsethik
voraus, die sowohl in philosophisch-ethischer als auch in ökonomischer
Hinsicht auf der Höhe der Zeit ist. Ein zweites Ziel des Kurses
ist deshalb die systematische Grundlegung einer modernen
Wirtschaftsethik. Dabei kann von dem in den letzten zehn Jahren
entwickelten, international führenden St. Galler Ansatz der
Integrativen Wirtschaftsethik ausgegangen werden. Der Ansatz bietet
umfassendes Orientierungswissen zum besseren Verständnis und zur souveränen
Beurteilung aller aktuellen wirtschaftsethischen Fragen. Das
wirtschafts- und gesellschaftspolitisch besonders aktuelle dritte
Ziel des Kurses besteht darin, eine klare Perspektive für die
Einbettung der Marktkräfte in das moderne Leitbild einer wohlgeordneten
Gesellschaft freier und gleichberechtigter Bürger zu gewinnen. Es geht
darum, einen "dritten Weg" zwischen den beidseits ideologisch
voreingenommenen Positionen eines allzu marktgläubigen
Wirtschaftsliberalismus einerseits und eines allzu staatsgläubigen
Sozialetatismus zu erkennen. Ein dementsprechender politischer oder
republikanischer Liberalismus vermeidet die Verkürzung der Bürgerfreiheit
auf die Idee des "freien Marktes", indem er die bürgerethischen,
die rechtsstaatlichen und die sozioökonomischen Voraussetzungen real
lebbarer Freiheit in Würde und Selbstachtung für alle mitbedenkt. Aufbau/
Struktur –
Konzeptionelle
Zugänge: Weshalb und wozu Wirtschaftsethik? – Was ist moderne Ethik?
– Zum Verhältnis zwischen Moralität und ökonomischer Rationalität.
– Überblick über mögliche Ansätze der Wirtschaftsethik. –
Integrative Wirtschaftsethik als Vernunftethik des Wirtschaftens:
Grundidee und Architektonik. –
Geschichtliche
Etappen wirtschaftsethischen Denkens: Die protestantische Ethik und der
Geist des Kapitalismus (Calvinismus): Die These Max Webers. – Adam
Smiths "einfaches System der natürlichen Freiheit" und die
Metaphysik des Marktes. – Utilitaristische Ethik: Jeremy Benthams
Sozialnutzenkalkül. – Politischer Ökonomismus: Thomas Hobbes und
seine neoliberalen Jünger. –
Systematische
Grundfragen und Leitideen moderner Wirtschaftsethik: Ökonomismuskritik.
– Grundorientierungen lebensdienlichen Wirtschaftens (Sinnfrage und
Legitimitätsfrage). – Wirtschaftsethische Topologie:
"Orte" der Moral des Wirtschaftens (Wirtschaftsbürgerethik,
Unternehmensethik, Ordnungsethik). –
Spezifischer
Fokus: Die Marktwirtschaft in einer voll entfalteten Bürgergesellschaft
(politisch-philosophisches Leitbild der Bürgergesellschaft, bürger-
und ordnungs-ethische Konsequenzen).
Pflichtlektüre –
Ulrich,
P.: Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen
Ökonomie, Bern/Stuttgart/Wien: Paul Haupt, 3. revid. Aufl. 2001. –
Ulrich,
P.: Der entzauberte Markt. Eine wirtschaftsethische Orientierung,
Freiburg i.B./ Basel/Wien: Herder 2002. –
Für
die behandelten geschichtlichen Positionen wird ein Reader mit kurzen
Auszügen aus Primär- und Sekundärtexten bereitgestellt. Das
Kontextstudium, bestehend aus Reflexion und Training, ist zum prägenden
Merkmal unserer Universität geworden, deren Ziel die Ausbildung nicht
nur von Fachkräften, sondern vielmehr von beruflich wie auch sozial
kompetenten Persönlichkeiten für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Das
Kontextstudium soll Wissen und Erfahrung zur sinnhaften, einfühlsamen
und verständnisvollen Wirklichkeitsbewältigung vermitteln, aber auch
hilfreich bei der kritischen Sichtung und Bewertung globaler, kulturübergreifender
Problemzusammenhänge sein. 5.4
Coaching-Programm Das
freiwillige Coaching-Programm bietet den Studierenden auf der
Assessment-Stufe eine intensive und individuelle Betreuung an. Mit
diesem Programm sollen wichtige überfachliche
Kompetenzen der Studierenden verbessert werden, die gerade für
eine Verantwortungsübernahme in der Gesellschaft wichtig sind. Die
Entwicklung dieser Kompetenzen ist ein zentrales Anliegen der neuen
Studienstruktur. Das Coaching-Programm leistet dazu einen entscheidenden
Beitrag, indem es gleich zu Beginn des Studiums durch erfahrenen Coaches
und mit ausgewählten Veranstaltungen den Studierenden Hilfe bei ihrer
Entwicklung anbietet. Das Coaching-Programm läuft während einer dreijährigen
Pilotphase mit ca. 75 Studierenden pro Jahrgang. Ein Coach soll zwei bis
vier Studierende betreuen. Wenn die Zahl der Interessent(inn)en diese
Betreuungsmöglichkeiten übersteigt, werden die Studierenden aufgrund
einer Bewerbung
sowie durch Zulosung in das Coaching-Programm der Assessment-Stufe
aufgenommen. Das Coaching-Programm bereitet auf das Mentoring-Programm
vor, an dem alle Studierenden ab dem 3. Semester auf der Bachelor-Stufe
teilnehmen können. Das
Coaching-Programm fördert insbesondere die vier
folgenden überfachlichen Kompetenzen,
die sich aus einer Vielzahl von einzelnen Fähigkeiten und Fertigkeiten
zusammensetzen und solche auch voraussetzen: -
Soziale
Kompetenz
zielt auf die Fähigkeit, sich mit anderen Menschen in unterschiedlichen
Situationen – d.h. situationsgerecht – auseinander zu setzen und zu
verständigen. In diesem Sinne ist ein Mensch dann sozialkompetent, wenn
er sowohl die eigenen Vorstellungen und Interessen in die Verständigung
mit anderen einbringt, sich aber ebenso um Abstimmung mit anderen
Positionen bemüht, sich gegebenenfalls auch Mehrheitspositionen beugt.
Eine zentrale Sozialkompetenz ist die Fähigkeit zur Einordnung, ohne
sich im Verzicht auf eigene Interessen opportunistisch anzupassen. -
Leadership
ist die Anwendung von Sozialkompetenz in einer Führungssituation,
jedoch nicht notwendigerweise in einer Führungsposition. Gemeint ist
die Fähigkeit, einerseits anderen Menschen Visionen und Orientierungen
zu vermitteln, andererseits die Initiativen von anderen aufzunehmen und
in die Entwicklung gemeinsamer Ziele und Perspektiven zu integrieren.
Weiterhin beinhaltet Leadership die Fähigkeit, Teamarbeit zu unterstützen
und in Konflikten zu vermitteln. -
Selbstverantwortung
bedeutet eigen- und sozialverantwortliche Aufgaben zu übernehmen und
erfolgreich zu bewältigen. Dabei soll sich das Handeln an Werten
ausrichten, die aktiv vertreten und die in der Diskussion mit anderen
begründet werden können. -
Fähigkeit zur
Selbstreflexion
impliziert die Fähigkeit, sich selbst im aktuellen Handeln erfahren und
die handlungsleitenden Werte und Normen bestimmen zu können. Damit
verbunden ist das Definieren von Zielen und die Beobachtung, wo man auf
dem Wege zur Zielerreichung steht. Die
ausdrückliche Beschränkung auf gerade diese vier überfachlichen
Kompetenzen ist durch die mittelbare und unmittelbare Berücksichtigung
weiterer Kompetenzen (wie intellektuelle Fähigkeiten, Initiative und
Ergebnisorientiertheit, Planungs- und Organisationsvermögen, Ausdauer
und Belastbarkeit usw.) im Rahmen der Fachausbildung motiviert.
Gearbeitet wird im Rahmen eines strukturierten und intensiven Programms
bestehend aus Gruppenveranstaltungen, Trainingsseminaren für
Teilgruppen, Einzelbetreuung und individueller Reflexion und Trainings
der Studierenden. Das
Coaching-Programm bietet Impulse und Hilfen für die persönliche
Entwicklung während des Studiums, aber auch für Leben und Beruf
danach. Deshalb wurde das Coaching-Programm in der Universität und in
der Praxis verankert. Eine Gruppe Dozierender der Universität St.
Gallen hat es in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachleuten aus
der Praxis entwickelt. Engagierte Praktiker(innen) aus unterschiedlichen
Berufsfeldern und mit verschiedenen persönlichen Erfahrungen unterstützen
es als Coaches.
Universität und Praxis betreuen es somit gemeinsam und arbeiten Hand in
Hand bei dessen kontinuierlicher Verbesserung. Das Coaching-Programm
wird gesponsert von der Goldman Sachs & Co. Bank.
Sie stellt für seine Durchführung nicht nur finanzielle Mittel zur
Verfügung. Banker und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Abteilung
«Human Capital Management» arbeiten als Coaches und bei der
Gesamtbetreuung des Programms mit. Da Goldman Sachs selbst ein
traditionsreiches Mitarbeiter-Coaching im eigenen Haus unterhält, fließen wertvolle Erfahrungen in das Programm ein und werden an die
Studierenden weitergegeben. Es hat jedoch eine rein formative Funktion
und keine Einwirkung auf die Noten der Assessment-Stufe. Es ergänzt in
seiner Ausprägung das Fachstudium und vervollständigt somit das erste
Studienjahr zu einer ganzheitlichen Assessment-Stufe. 5.5
Mentoring-Programm Das
Mentoring-Programm, das allen Studierenden ab dem 3. Semester offen
steht, ist ein wichtiges Element im neuen Studienkonzept. Studierende
sollen Anregungen und Vorschläge für ihre Studien- und Lebensplanung
von Menschen erhalten, die dazu aufgrund ihrer Erfahrungen und ihres
Wissens befähigt und vor allem an der Entwicklung der ihnen
anvertrauten jungen Leute interessiert sind. Diese sollen lernen, ihre
Situation zu erkennen, zu reflektieren und so zu beschreiben, daß Selbsterkenntnis, Selbstkritik und Selbstfindung zu weiterführenden
Lebens- und Berufsperspektiven werden können. Außerdem stärkt das
Mentoring-Programm durch die Verbindungen zwischen Studierenden und
Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Kunst, Kultur und
Wissenschaft die Verankerung der Universität St. Gallen lokal und überregional
sowie in den verschiedenen Lebens- und Berufswelten. Diese Integration
der Praxis in das Studium fördert nicht nur die Entwicklung der
Studierenden, sondern bereichert auch das universitäre Leben in St.
Gallen. Mentoring
leitet sich vom griechischen Namen Mentor ab. In Homers «Odyssee» ist
Mentor ein Freund, den Odysseus dazu bestimmt hatte, in seiner
Abwesenheit seinen Sohn Telemachos zu erziehen und seinem Haushalt
vorzustehen. Mentor war ständiger Gefährte und Helfer des Telemachos
und stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Der Name Mentor wurde seither
zum Synonym für einen vorbildlichen Berater und Erzieher. Das
Mentoring-Prinzip ist einfach: Eine erfahrene, meist ältere Person
(Mentor oder Mentorin) unterstützt eine jüngere (Mentee) dabei, sich
weiter zu entwickeln und auch beruflich-fachliche Kompetenzen
auszubauen. Mentoring ist damit eine sachliche, aber auch eine persönliche
Beziehung zwischen zwei Personen, die über einen längeren Zeitraum
regelmässig Kontakt haben und sich über Lebensentwürfe,
Studienentwicklung und Berufsplanung austauschen. Deshalb sind
gegenseitiges Wohlwollen und Respekt wichtige Voraussetzungen für das
Gelingen der angestrebten Beziehung. Das
Mentoring-Programm der Universität St. Gallen beruht auf der
Freiwilligkeit und dem Engagement der Teilnehmenden. Es handelt sich
nicht um eine weitere Veranstaltung im klassischen Lehrformat, denn die
Universität bietet nur einen geeigneten Rahmen an, stellt die erste
Verbindung zwischen Mentorin bzw. Mentor und Mentee her und übernimmt
eine beratende Funktion gegenüber allen Beteiligten, z.B. wenn Fragen
entstehen oder Ergänzungen gesucht werden. Umfang und Schwerpunkte des
Programms werden von Mentorin bzw. Mentor und Mentee jeweils individuell
vereinbart. Rollen
und Aufgaben einer HSG-Mentorin bzw. eines HSG-Mentors Mentorinnen
und Mentoren der Universität St. Gallen sind Personen, die aus Sicht
der Studierenden so bemerkenswerte Positionen in der Berufswelt und Öffentlichkeit
einnehmen, daß sie als Ansprechpartner, Ratgeber und Förderer gefragt
sind. In diesen Rollen unterstützen sie die fachliche, soziale und persönliche
Orientierung der Studierenden und helfen bei Bedarf, auch die berufliche
Entwicklung sinnvoll zu planen. Die HSG-Mentorinnen und -Mentoren können
in ihren Rollen beispielsweise die folgenden Funktionen einnehmen: -
Beratung in
konkreten Situationen, bei akuten Fragen und aktuellen Schwierigkeiten
des oder der Mentee; -
Stellungnahmen
geben zu einzelnen Verhaltensweisen des oder der Mentee; -
Besprechung von
beruflichen Plänen und möglichen Hindernissen; -
Vermittlung von
sozialen, beruflichen sowie fachlichen Verbindungen; -
Erfahrungen aus
der eigenen Entwicklung und Praxis weitergeben; -
Teilhabe an ihrem beruflichen Alltag zulassen. Wie
die Beteiligten das Mentoring handhaben, hängt im Wesentlichen von den
Mentorinnen und Mentoren ab. Beratung und Gesprächsthemen orientieren
sich an den individuellen Zielen und Bedürfnissen der Mentees sowie an
den Möglichkeiten und an den Kompetenzen der Mentorinnen und Mentoren. In
einem der ersten Gespräche sollten die Beteiligten die Erwartungen
beider Seiten an das Mentoring klären, Form und Häufigkeit der
Kommunikation bestimmen und die aus ihrer Sicht notwendigen Regeln für
das Mentoring festlegen. Diese Grundlagen können im Interesse größerer
Verbindlichkeit in einer Mentoring-Vereinbarung auch schriftlich
festgehalten werden. Die Universität St. Gallen hat dabei nur zwei
Erwartungen: Erstens soll das Mentoring so angelegt werden, daß es
zumindest bis zum Studienabschluss, d.h. bis zum Bachelor bzw. Master,
bestehen kann, und zweitens, daß zumindest in jedem Semester ein
Semestergespräch durchgeführt wird. Das Semestergespräch dient einer
kritischen Rückschau auf die erzielten Fortschritte und einer offenen
Aussprache über eventuelle Defizite, insbesondere im Hinblick auf die
vereinbarten Ziele. Außerdem werden die Ziele für das nächste
Semester festgelegt. Grundlage dieses Gesprächs bildet ein
schriftlicher Semesterbericht der oder des Mentee, dessen Form und
Inhalt individuell vereinbart werden können. 5.6
Center for Public Leadership Wichtige
Fragen der Führungsverantwortung für die Gesellschaft, um die es ja
bei diesem bildungspolitischen Forum geht und die die neukonzipierte
Lehre an der Universität St. Gallen wie ein roter Faden durchziehen,
sollen in dem sich seit 2003 im Aufbau befindlichen „Zentrum für Führung
in Gesellschaft und Öffentlichkeit“ („Center for Public Leadership“,
www.cpl.unisg.ch) erforscht und in verschiedenen Formaten für Lehre und
Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Deshalb erfolgt noch ein
kurzer Blick auf dieses künftige interdisziplinäres Zentrum, das
Wissenschaft und Praxis im Feld "Public Leadership" verbindet. Public
Leadership verstehen wir als die Übernahme von Verantwortung für die
Gesellschaft, sei es im Beruf, sei es in anderen öffentlichen Aufgaben
(Politik, NGOs, Stiftungen, Bürgerinitiativen und ähnlichen), sei es
im Privatleben. Es geht darum, gesellschaftliche Herausforderungen und
Aufgaben erkennen zu können, sich für diese verantwortlich zu fühlen
und aktiv zur Lösung beizutragen. Dies setzt bei den Studierenden und
Absolvierenden Bewusstsein für diese Anliegen und Fähigkeiten, diese
erkennen und zu deren Lösung beitragen zu können, voraus. Das Center
for Public Leadership hat sich zum Ziel gesetzt, eine derartig
nachhaltige Zukunftsentwicklung durch Forschung, Lehre und weitere
Dienstleistungen zu fördern. Es soll aufgrund verschiedener Aktivitäten
ein Ort entstehen, um Wissen über Public Leadership zu generieren, zu
systematisieren und zu vermitteln. Ein solcher kann wertvolle Beiträge
für die Bildung gesellschaftlich verantwortlicher Führungskräfte
leisten. Dabei werden in der Lehre folgende Wege eingeschlagen: -
Lehrveranstaltungen,
insbesondere im Rahmen des Kontextstudiums, die sich intensiv mit
diversen Aspekten von Public Leadership auseinander zu setzen, z.B. in
Kulturinstitutionen, in Stiftungen, in Museen bzw. in der Gestaltung
politischer Prozesse oder in Veränderungsprozessen bzw. bei
Entscheidungen, -
Lehrveranstaltungsunabhängige
Studienarbeiten, wie Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten, -
Vorträge,
Kolloquien, Workshops insbesondere zu praktischen Chancen und Problemen
von Public Leadership sowie Berufsbilder bzw. Praxisprofile im gemeinnützigen
("not for profit") Bereich, -
Unterstützung
studentischer Initiativen, die gemeinnützig tätig sind, -
Vermittlung von
Praktika in entsprechenden Institutionen, -
Aufbau einer
Webseite, die Informationen und Verbindungen zu interessierenden
Initiativen weltweit anbietet. Ziel
ist es, die Fähigkeiten von Individuen und damit auf lange Sicht von
Organisationen zu stärken, sich für die Gesellschaft im weitesten
Sinne einzusetzen. Um eine entsprechende Führungskompetenz zu
entwickeln, muss die Sensibilität für Aufgaben in der Gesellschaft erhöht
werden, müssen soziale Kompetenzen, insbesondere die Zivilcourage, gefördert
werden und fachlich fundiertes, unter-nehmerisches und
eigenverantwortliches Handeln aufgebaut werden. Das seit 1999
konzipierte und seit 2001 umgesetzte Studienmodell bietet einen idealen
Rahmen, um Fragen, Themen und Konzepte von Public Leadership ebenfalls
zu einem Gegenstand des Studiums zu machen. Die Studierenden lernen
anhand der verschiedenen Formate kreativ und situationsgerecht mit den
entsprechenden Aufgaben und Personen umzugehen. Sie trainieren so
wichtige fachübergreifende Kompetenzen der Führungskompetenz als
sozialer Fähigkeit und deren Anwendung. 6 Organisatorische
Verankerung und Weiterentwicklung Die
Umsetzung der neuen Studienkonzeption wird durch wichtige
organisatorische Prinzipien unterstützt. Es geht darum Verantwortung für
das Studium zu institutionalisieren und zu leben. Dabei spielen
Programmverantwortung, Wettbewerb und die Studierenden zentrale Rollen. Jedes
Programm innerhalb der Studienarchitektur, d.h. die Assessment-Stufe,
die Major der Bachelor-Stufe, die Masterprogramme, das Kontextstudium,
wie jedes größere Fachgebiet innerhalb der Programme, wie z.B.
Vorlesungen, Übungen und Selbststudium in Marketing, haben jeweils
einen verantwortlichen Dozenten, der um Konzept, Lehrpersonen,
Evaluation und Weiterentwicklung besorgt sein muss. Die
Programmverantwortlichen bilden die Organisationsstruktur der Lehre an
der Universität, man könnte auch sagen die Nachfrageseite ab. Sie
arbeiten zusammen mit den Strukturen der Angebotsseite, d.h. den Fakultäten
(Abteilungen) und der Verwaltung. Die
positive Wirkung des Wettbewerbs empfehlen Volkswirte mit Hinblick auf
die Qualität von Angeboten in verschiedenen Situationen. Bislang
spielte der Wettbewerb innerhalb der Universität jedoch nur eine kleine
Rolle, weil er weitgehend durch hierarchische Zuteilungen ausgeschlossen
wurde. An der Universität St. Gallen kommen einige Verfahren eines
geordneten Wettbewerbs zum Tragen: Die Auswahl der Masterprogramme und
die Entscheidung über die Programmportfolios alle 5 Jahre folgt einigen
wettbewerblichen Regeln. Die einzelnen Angebote im Wahlbereich, in den
Teilsäulen des Kontextstudiums und parallele Studienangebote der
Assessment-Stufe stehen untereinander durch die Wahlfreiheit für die
Studierenden in gewisser Konkurrenz. Klare Vorgaben, einheitliche Prüfungsstandards,
die Evaluation und das Feedback sorgen dafür, daß eine Nivellierung
nach unten wenig Chancen hat. Die
Prozesse in der Lehre werden systematisch auf die Studierenden
ausgerichtet. Studierende sind Bürgerinnen und Bürger der Universität,
d.h. sie haben Mitwirkungsrechte und Mitwirkungspflichten. Sie sind
jedoch keine Kunden, wie man manchmal in Arbeiten zum
Hochschulmanagement lesen kann, sondern Mitglieder der Universität.
Formalisierte Beteiligung, wie in Gremien, durch
Veranstaltungsevaluationen, Befragungen sowie informelle Beteiligung in
Gesprächen, Fokusgruppen, etc. sichern ein gemeinsames Verständnis von
Herausforderungen und Zielen. Literatur Schiedermair, H. (2003). Was kommt auf
die Universitäten zu? Die Folgen des Bologna-Prozesses für die
deutschen Hochschulen. Bund Freiheit der Wissenschaft. Köln. Spoun,
S. (1998). Internationalisierung von Universitäten. Eine Studie am
Beispiel der Community of European Management Schools. St. Gallen. Spoun,
S., E. Müller-Möhl, et al., Eds. (1998). Universität und Praxis.
Zürich, Neue Zürcher Zeitung. Spoun,
S. and W. Wunderlich (2003b). "Humanistische Bildung und die
Neukonzeption der Lehre an der Universität St. Gallen." Zeitschrift
Freiheit der Wissenschaft.(3): 6-12. Spoun,
S. and W. Wunderlich, Eds. (2003). Medienkultur digital. Bern/
Stuttgart/ Wien, Haupt. Zöller,
M. (2003). Wahlfreiheit und Wettbewerb für Studenten und Universitäten.
33. Bildungspolitisches Forum, Berlin, www.bund-freiheit-der-wissenschaft.de,
Zugriff am 26.2.2004.
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