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Vorwort Oberstudiendirektor Dr. Winfried Holzapfel |
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„Wettbewerb und Profilbildung“ – dieses Thema ist längst kein Reizthema mehr; denn alle Welt ist sich einig, daß Wettbewerb und Profilbildung zu einer Steigerung von Leistung und Qualität auch in Institutionen, die Non-Profit-Unternehmen sind, beitragen können. Dennoch dürfen wir heute spannende und auch kontroverse Diskussionen erwarten. Wenn es für Studenten und Universitäten Wahlfreiheit und Wettbewerb geben soll, dann darf man gespannt sein, nach welchen Regeln und unter welchen Bedingungen diese Wettbewerbe ausgetragen werden sollen. Was macht eine Universität attraktiv ? Wodurch fordert die Hochschule die Studenten heraus? Wozu fordert sie sie heraus? Wie steht es mit den Differenzen und Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Hochschularten? Stehen sie in Konkurrenz zueinander oder ergänzen sie einander? Wie und wonach orientiert sich der Student, wenn er sich für eine Hochschule entscheidet? Welche Auffassung von seinem Studium hat er? Will und soll er schnell oder „breit“ studieren? Sind Auslandssemester gewonnene oder verlorene Semester? Dies sind nur einige der vielen Fragen, die unschwer mit den Einzelthemen dieses Bildungspolitischen Forums in Verbindung gebracht werden können. Bei den vielfältigen Reformbestrebungen unserer Zeit und bei der fortschreitenden Anzahl tatsächlicher Veränderungen in den staatlichen Bildungsinstitutionen soll unsere Tagung dazu dienen, vor dem Hintergrund gegebener Strukturen über sich abzeichnende nationale und internationale Entwicklungen aufzuklären. Es versteht sich von selbst, daß ebenso sehr wie Aufklärung Anregungen und Warnungen zur Sprache kom-men werden. Um Wettbewerb und Profilbildung zu fördern, bedarf es eines Mehr an Autonomie für die Hochschulen; denn damit gewinnen sie Raum und Bewegungsfreiheit, um sich – in Abgrenzung zu den anderen Institutionen der gleichen Art – durch Entfaltung der eigenen Potentiale eine eigene Identität zu geben. Diese innere Entwicklung muß sich aber im Rahmen des gegebenen Bildungsauftrages und Institutionscharakters bewegen und ist zugleich von internationalen Verflechtungen und Ansprüchen bestimmt. Einige Thesen des Wissenschaftsrates vom Juli 2000 zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutsch-land zeigen die Richtung: Die Internationalisierung des deutschen Wissenschaftssystems muß vorangetrieben werden. Die Förderung von Kooperation und Austausch muß fortgeführt und intensiviert werden, darüber hinaus müssen Lehr- und Forschungsinhalte erheblich stärker als bisher internationalisiert werden. Die Universitäten sind der institutionelle Ort im Wissenschaftssystem, an dem die besten Chancen für eine zeitgemäße Erneuerung der Einheit von Forschung und Lehre bestehen. Die Universitäten müssen hierzu nicht nur Stätten hervorragender Forschung und Lehre sein, sondern zugleich auch Organisationszentren der Wissenschaft werden. Die Fachhochschulen, die wissenschaftlich fundierte, praxis-orientierte Berufsausbildung anbieten, sollten massiv ausgebaut, ihr Fächerspektrum erweitert werden. Die Profilbildung der Wissenschaftseinrichtungen muß intensiviert und der Wettbewerb gestärkt werden; eine Konzentration auf leistungsstarke Einrichtungen ist erforderlich. Die Mobilität von Wissenschaftlern und Studenten muß gesteigert werden. Innerhalb der Europäischen Union sollten Studien- und Studienabschlußstrukturen abgestimmt und vereinheitlicht werden. Mobilitätshindernisse für Wissenschaftler müssen beseitigt, auf Professuren sollten künftig möglichst Wissenschaftler berufen werden, die über namhafte Arbeitserfahrung im Ausland verfügen“. Während also Profilbildung als Ziel ausgerufen wird, steht andererseits auch Vereinheitlichung – möglicherweise global, zumindest europaweit – auf der Agenda. Wie paßt das zusammen? Wird da nicht Widersprüchliches gefordert? Man sieht leicht, daß beim Tagungsthema alle diese Fragen mit berührt sind: Von „Amerika“ über „Bologna“ bis zur Hochschullandschaft in Deutschland, ja bis zu den einzelnen Universitäten und sogar bis zum einzelnen Studenten (dessen Wollen und Sollen) reichen die Verknüpfungspunkte. Beim Bologna-Prozeß geht es um die Schaffung eines europäischen Hochschulraums bis zum Jahr 2010. In der Erklärung von Prag riefen im Jahre 2001 die Bildungsminister aus 32 europäischen Staaten Universitäten und andere Hochschuleinrichtungen nachdrücklich auf, die bestehenden nationalen Rechtsvorschriften und europäischen Instrumente voll zu nutzen, die die akademische und berufliche Anerkennung von Studienzeiten, Abschlüssen und sonstigen Leistungsnachweisen erleichtern, so daß die Bürger ihre Qualifikationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im gesamten Europäischen Hochschulraum effizient nutzen können. Die Minister waren sich einig über die große Bedeutung der Förderung der Attraktivität der europäischen Hochschulbildung für Studierende aus Europa und anderen Teilen der Welt. Die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit europäischer Hochschulabschlüsse weltweit müsse gefördert werden durch die Entwicklung eines gemeinsamen Qualitätsrahmens, durch kohärente Qualitätssicherung, durch Anerkennungs- und Zertifizierungsinstrumente und durch verstärkte Informationsbemühungen. Im Hinblick auf eine weitere Stärkung der wichtigen europäischen Dimension der Hochschulbildung und der Beschäftigungsfähigkeit von Akademikern riefen die Minister den Hochschulsektor auf, mehr Module, Studiengänge und Lehrpläne mit europäischen Inhalten, Ausrichtung oder Organisation zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für Module, Studiengänge und Abschlüsse, die partnerschaftlich von Institutionen verschiedener Länder angeboten werden und zu einem gemeinsamen Abschluß führen. Man erkennt, daß hier die Weichen auf Einheitlichkeit gestellt sind, was vielen Studenten und der politischen Gemeinschaft Europa zu gute kommen soll (und wahrscheinlich auch zu gute kommen wird). Die Folgekonferenz ist im Herbst 2003 in Berlin. Daß sich aus dem Bologna-Prozeß auch Komplikationen ergeben können, hat Bundespräsident Johannes Rau bei der Jahrestagung der Hochschulrektorenkonferenz im Mai 2002 in Bonn indirekt aufgezeigt, indem er einen Widerstreit bildungs-politischer Prinzipien und Zielsetzungen anklingen ließ, den er allerdings nicht scharf zuspitzte, sondern eher in einem betulichen „Sowohl – Als auch“ stehen ließ. Der Bundespräsident vertrat die Auffassung, man müsse bei der Hochschulentwicklung über Deutschland hinausblicken. Mit ausdrücklichem Verweis auf die Erklärung von Bologna meinte er, die „praktische Vernunft“ spreche für einen europäischen Hochschulraum. Dabei gehe es um gegenseitige Anerkennung von Zertifikaten,
Aber Rau warnte auch vor einer „schleichenden Assimilation“, der „Schwächung der nationalstaatlichen Gestaltungskraft“. Die Universitäten würden „Schlüsselagenturen eines globalen Wettbewerbs“. Sie dürften sich aber dem „Wirtschaftsparadigma“ nicht anpassen; denn zu den Menschenrechten gehöre in einem Atemzug die „Freiheit der Wissenschaft“. |
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